Online: 19.01.2016 - ePaper: 20.01.2016

Wölfe knabbern auch schon mal tiefer

Betrifft: Artikel "Wolf knabberte an Joggerhand" (EJZ vom 14. Januar)

Ein Jogger wird im Gartower Wald von zwei Jungwölfen unbemerkt begleitet, die ihn plötzlich an seiner Hand knabbern. Mit lautem Geschrei, Tritten und Ästen, so lesen wir, vertreibt er sie.

Da er ein Wolfsbefürworter ist, wundert mich seine archaische Reaktion. Hätte er sich als Wolfsflüsterer- inzwischen gibt es ja auch Kamelflüsterer - betätigt, sollte er die lieben Tierchen streicheln, ihnen gut zureden, um sie zum Weglaufen zu veranlassen. Als "Flüsterer" könnte er ja auch mit den Wölfen diskutieren oder heulen.

Stattdessen geht er zum staatlich bestellten "Wolfsberater" zeigt ihm seine verletzte Hand und veranlasst diesen "Berater" zu der fatalen Aussage, dass ein solcher Wolf erschossen werden müsste. Ja, Wölfe knabbern eben manchmal, besonders die Älteren dieser Spezies knabbern auch schon mal tiefer: Fohlen, Kälber, Schafe und in früheren Zeiten auch Menschen wissen ein Lied davon zu singen.

Nun, die gern gesehenen Knabbertiere dürfen natürlich nicht abgeschossen werden, welche Abgründe könnten sich da auftun. Käme es zum Abschuss, müssten wir als "Tierfreunde" und gute Ideologen natürlich auf die Straße gehen, um es den verfluchten Jägern zu zeigen, denen diese "Raubtiere" - dieser Wortgebrauch entspricht nicht der political correctness, man verzeihe ihn mir - schon lange ein Dorn im Auge sind. Warten wir also auf die nächste Knabberrunde.

Karl-Erich Höhne, Lichtenberg

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