Online: 22.01.2016 - ePaper: 23.01.2016

Schlag ins Gesicht für Feuerwehren

Betrifft: Leserbrief "Verhältnismäßigkeit verfehlt" von Harald Schulz (EJZ vom 16. Januar)

Man muss als aktiver Feuerwehrmann schon tief durchatmen beim Lesen der Zeilen von Harald Schulz aus Lüchow. Zum Brandschutz zählt auch eine sogenannte Alarm- und Ausrückeordnung, die von Fachleuten nicht mal ebenso lapidar erstellt wird. Gerade in Gefahrenlagen, wo viele Menschen wie in Schulen oder auch Flüchtlingsunterkünften sind, wird dieses in die Pläne eingearbeitet. Herrn Schulz sei gesagt, dass jeder Brand, auch Großbrand durch einen Entstehungsbrand beginnt. Wie sollte eine Meldung seiner Meinung nach erfolgen? Der Wachschutz meldet den Brand an die Leitstelle. Die erklärt den Wachleuten: Versucht es erstmal selber. Wenn es nicht klappt, ruft nochmal an. Die Schlagzeilen möchte ich mir gar nicht ausmalen, wenn die Verantwortlichen nicht so gehandelt hätten. Gemeldet wird ein Brand in einer Flüchtlingsunterkunft, und die Feuerwehr wird der Lage nicht Herr.

Der besagte Dienstag ist aus meiner Sicht ein Paradebeispiel. Die geschilderten Straßenverhältnisse geben doch einen guten Einblick in die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren. Egal, ob Tag oder Nacht, Regen, Schnee oder Eis. Die Feuerwehr kommt und hilft. Ich empfinde es als Unverschämtheit, die ehrenamtliche Hilfe und sogar die Kosten mit derlei Äußerungen in Frage zu stellen. Aus meinen Einsatzerfahrungen kenne ich Betroffene, denen es peinlich ist, so viele Feuerwehrleute mit einem Anruf alarmiert zu haben. Da lautet bei jeder Feuerwehr das Motto: Wir kommen lieber einmal vergebens, auch mit vielen Kameraden und roten Autos, als zu spät oder gar nicht.

Vielleicht ist die Lösung des Problems ganz einfach. Zwei Atemschutzgeräte und eine Kübelspritze für jede Schule und jede Flüchtlingsunterkunft. Dann kann nichts mehr passieren. Ich weiß nicht, welche Lehrmeinung der Landesfeuerwehrschule Herr Schulz dort mit Halbwissen aufgeschnappt hat. Die Realität ist jedoch weit von ihm entfernt. Diese Art von Kritik, die ja in den vergangenen Tagen mehrmals geäußert wurde, empfinde ich als Schlag ins Gesicht, für Feuerwehrmann und -frau. Wenn wir in die Situation kommen, uns für unsere Hilfe auch über die Maße hinaus, rechtfertigen zu müssen, dann ist nicht nur der demografische Wandel der Feind des Ehrenamtes. Zum Verständnis: Die Disponenten der Rettungsleitstelle sind nicht vor Ort. Sie erhalten lediglich einen Anruf, den sie nach den festgelegten Standards abarbeiten. Wer all diese Abläufe öffentlich kritisiert, dieses gar noch in die politische Ecke drängt, der möchte mir doch bitte den Zusammenhang erklären. Allen der Feuerwehr Wohlgesonnen kann ich sagen: Wir kommen gerne auch bei Schneefall und Glatteis.

↔Jens Platz, Clenze

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