Online: 29.01.2016 - ePaper: 30.01.2016

Anonymität der Umfragereine Makulatur

Betrifft: "Zufrieden mit Bauverfahren?" (EJZ vom 16. Januar).

"Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast": Das Bonmot wird Winston Churchill zugesprochen. Das Bauamt beim Lüchower Landkreis scheint diesen Ausspruch zu beherzigen. So hat das Bauamt schon im Januar 2015 Bauherren und Architekten angeschrieben: "Wie zufrieden waren Sie mit unserer Arbeit?" Beantwortet werden sollte über das Internet oder mit einem Fragebogen, der beim Bauamt persönlich anzufordern war. Auch negative Kritik soll da geäußert werden dürfen.

Scheinbar hielt sich die Zufriedenheit der Architekten und Bauherrn in Grenzen, und dem Bauamt wurde irgendwas zwischen mangelhaft bis ungenügend bescheinigt. Denn entgegen der Ankündigung wurden die Ergebnisse nicht im Herbst 2015 veröffentlicht. Stattdessen wird die Umfrage nun in 2016 weiter fortgeführt. Solange die Ergebnisse "schiet" sind und eine Veröffentlichung schlecht daherkommen würde, ist das auch verständlich. Wer veröffentlicht schon seine eigene eventuell negative Beurteilung? Scheinbar wird erst, wenn die Statistik zur Zufriedenheit des Landkreises ausgefallen ist, veröffentlicht.

Auch ist die Umfrage angeblich geheim. Wie soll das gehen, wenn doch jeder Bauherr und Architekt mit einem eigenen Code vom Bauamt dem Auftraggeber selber zu dieser Umfrage angeschrieben wird und sich den Fragebogen vom Bauamt besorgen soll? Jede Antwort muss ja einem der Bauherrn beziehungsweise Architekten und einem der "unzähligen" Bauanträge zugeschrieben werden. Somit dürfte die angebliche Anonymität reine Makulatur sein.

Natürlich wird sich ein Bauherr und vor allen Dingen ein Architekt nicht seine "guten Beziehungen" zum Bauamt versauen. Er könnte ja beim nächsten Bauantrag mit Schwierigkeiten rechnen. So blöd ist nun wirklich keiner. Mir hat ein Architekt geschrieben: Ohne gute Beziehungen beim Landkreis-Bauamt geht nix. Was meint er damit? Bei Haxen essen und Maß trinken hat doch schon unser ehemaliger Bundespräsident Wulf mächtig Schluckauf und Sodbrennen gekriegt.

Auch wenn diverse Medien von "Pfusch am Bau" und "Pfusch im Bauamt" berichten, muss man nicht alles negativ beäugen. Ich zum Beispiel habe eine sehr innige und wirklich "liebgewonnene" Beziehung mit unserem Bauamt. Wir schreiben uns regelmäßig "warmherzige" Briefe. Dass Baugenehmigungen über Jahre verschleppt wurden, Schlussabnahmebescheinigungen über Jahre hinweg nicht erstellt und Gebührenbescheide am laufenden Meter falsch und zu hoch erstellt werden, trübt unser "inniges Verhältnis" in keinster Weise.

Auch wenn jedes Mal das Verwaltungsgericht die Entscheidungen unseres Bauamtes als rechtswidrig verurteilt, kann das unsere "Beziehung" nicht erschüttern. Wir schreiben uns weiter nette Briefe. Ich bin schon mal hochzufrieden mit der "Leistung" unseres Bauamtes. Jeder, der eine Hütte unter Denkmalschutz besitzt oder einen Bauantrag für ein Carport gestellt hat, wird nachvollziehen können, wie schwer es die gestresste Bauamtsführung doch hat.

↔Peter Triebe,↔Lüchow

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