Online: 02.02.2016 - ePaper: 03.02.2016

Nitrateinträge: Nicht so weitermachen

Betrifft: Artikel "Keine Gefahr fürs Wasser" (EJZ vom 23. Januar)

Die Pressemitteilung der Unteren Wasserbehörde ist nicht angemessen, sie ist leichtfertig angesichts der Problematik, die verbunden ist mit der Gefährdung des Grundwassers durch intensive Düngung. Es geht um unsere Lebensgrundlage Wasser "Keine Gefahr fürs Wasser" - "Das Grundwasser werde ohnehin nur dann belastet, wenn es durch starke Regenfälle zu Auswaschungen kommt" - alles "im absolut grünen Bereich". Na, dann ist ja alles gut. Wir können so weiter machen wie bisher. Genau das können wir nicht.

Über 60 Prozent des Grundwassers in Niedersachsen sind mit Nitrat über dem Grenzwert von 50 mg /l belastet, verursacht durch Gülle aus intensiver Tierhaltung und Gärsubstrat aus Biogasanlagen, sodass Trinkwasserbrunnen geschlossen werden mussten. Sicher, unser Landkreis ist nicht zu vergleichen mit den Regionen intensivster Tierhaltung. Doch auch bei uns wird mehr gedüngt. Insgesamt wurden 1136 Tonnen Stickstoff aus hiesigen Biogasanlagen und 1900 Tonnen aus hiesiger Tierhaltung 2015 auf landwirtschaftliche Flächen verbracht. Und was ist mit dem Mineraldünger, was mit den Importen von Hühnertrockenkot?

Auch wenn unser Trinkwasser (noch) nicht belastet ist, gibt es Fakten, die zeigen, dass auch wir eingebunden sind in den Zusammenhang intensiver Düngung - und Nitrateintrag ins Grundwasser: Es sind zwei Messstellen im Lemgow, wo der Grenzwert von 50 mg/l überschritten wird und "punktuell treten auch an anderen Stellen immer wieder leicht erhöhte Nitratwerte auf". Und rund zehn bis 20 Hausbrunnen haben im Trinkwasser einen Nitratwert zw. 10 - 50 mg/l, so die Auskunft der Kreisverwaltung auf eine Anfrage der SOLI vom 21. Juni 2015.

Und es gibt bei uns hohe Nitratwerte im Sickerwasser, wie Vorfeldmessstellen zeigen. Es ist eine Frage der Zeit, wann dieses Nitrat ins Grundwasser gelangt. "Da ist viel unterwegs", so ein Fachmann eines Wasserverbandes. Die Wasserbehörde jedoch befürchtet keine höheren Nitratwerte im Grundwasser. Und - "Keine Gefahr fürs Wasser"? Doch: Nachweis des Pflanzenschutzmittels Bentazon in Messstelle bei Tobringen. An vier weiteren Messstellen des Landkreises der Nachweis von Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln, so eine Information der niedersächsischen Umweltbehörde NLWKN (EJZ vom 26. Juni 2015). Abbauprodukte können noch schädlicher sein als die Pflanzenschutzmittel selber. Der Kreistag hat auf Antrag der SOLI-Fraktion beschlossen, dass der Umweltausschuss einmal im Jahr informiert wird über die Qualität des Grundwassers in Bezug auf Nitrat- und Pestizideintrag sowie über die Höhe des Grundwasserspiegels.

Hermann Klepper,

Banzau, SOLI, Vorsitzender des Umweltausschusses des Kreistages

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