Online: 02.02.2016 - ePaper: 03.02.2016

Was bietet die Sprache denn sonst noch an?

Betrifft: Editorial "Ihre EJZ heute" von Benjamin Piel (EJZ vom 28. Januar)

Mit Sprache bewusst und verantwortlich umzugehen, sollte(!) besonders für Journalisten und Menschen, die in der Öffentlichkeit gehört werden, oberstes Gebot sein. Worte haben Macht, vor allem wenn der Redakteur in den alltäglichen Sprachgebrauch übergeht. Es besteht die Gefahr, gar nicht mehr darüber nachzudenken, was das Wort eigentlich bedeutet. Deshalb will ich versuchen, das Augenmerk auf einige Passagen in dem Kommentar zu richten: Zum Wort "Flüchtlingskrise": Warum immer nur von Krise sprechen? Wir befinden uns momentan in einer schwierigen Situation und seit Monaten hören wir jeden Tag mehrfach in den Medien das Wort "Krise"! Damit ist keinem gedient. Nicht den hier bereits lebenden Bürgern, deren Ängste, Ablehnung, Überdruss und so weiter damit geschürt werden und auch nicht den sogenannten Flüchtlingen, Menschen aus Kriegsgebieten. Gerade sie sind darauf angewiesen, nicht noch mehr verängstigt und verunsichert zu werden. Natürlich sucht man nach Begriffen, um eine Situation kurz darzustellen, doch nicht immer ist damit die Lage treffend beschrieben. Also liebe Journalisten: Was bietet die deutsche Sprache denn sonst noch so an?

Die Sprühaktion in Bergen schreibt der Redakteur "eventuell Linksradikalen" zu. Weiter schreibt er, "…Radikale haben scheinbar Lösungen - in Wahrheit sind sie das Problem". Dieser Aussage widerspreche ich nicht, jedoch halte ich sie für falsch in Verknüpfung mit der Sprühaktion. Denn jene Radikale, die in unserer Gesellschaft tatsächlich ein Problem sind, sind jene Rechtsradikale, die zu Gewalt und Rassenhass aufrufen. Von ihnen geht eine tatsächliche Gefahr aus, die uns noch sehr beschäftigen wird. Diese in einen Topf mit den Leuten zu werfen, die zum Beispiel ein Auto besprühen, ist schlicht und ergreifend missverständlich, irreführend und diffamierend. Wohlgemerkt: Ich lehne Beschädigungen von Eigentum ab.

Gisela Rehwald, Trebel

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