Online: 08.02.2016 - ePaper: 09.02.2016

Menschen wie Ware behandelt

Betrifft: Artikel "Alle Flüchtlinge sind ausgezogen" (EJZ vom 30. Januar)

"Ausgezogen"? Das klingt nach Freiwilligkeit und geordnetem Ablauf. Aber davon kann wohl keine Rede sein. Die Flüchtlinge "wurden" ausgezogen, ebenso wie die Menschen, die sich mit viel Kraft und Engagement für die Notunterkunft und die geflohenen Menschen eingesetzt haben. Den Johannitern, die in kürzester Zeit eine wirklich gute Organisation aufgebaut hatten, wurde der Stuhl vor die Tür gesetzt mit dem Resultat, dass 50 eingearbeiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekündigt werden musste. Nach so kurzer Zeit eine wohl auch nicht gerade billige Großorganisation so kurzfristig aufzulösen.

Am 26. Januar erfährt der Träger, dass am 31. Januar alle ausziehen müssen. Das bedeutet, die Menschen wie Ware zu behandeln, die man verschiffen kann, wie es gerade passt, sie ins Nirgendwo zu schicken ohne ausreichende Vorbereitung. Genau das ist Verwaltungs- und Politikhandeln, das zu so viel Ärger und Politikverdrossenheit führt.

Menschen, die zum Teil mit schwersten traumatischen Erfahrungen zu kämpfen hatten, Träger und die angeblich so wichtigen Ehrenamtlichen, die den Flüchtlingen Unterstützung und Beistand gegeben haben, vor vollendete Tatsachen zu stellen, das entspricht nicht meiner Vorstellung von guter Integrationsarbeit. Diese fängt nämlich nicht erst an, wenn die Menschen alle Papierhürden durchgestanden haben, sondern da, wo sie in den Notunterkünften ankommen mit all dem, was sie mitbringen.

Da bemühen sich die Landkreisbehörden, die Samtgemeinden und Gemeinden um guten Umgang, helfen, wo sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten nur können.

Und dann seitens des Landes? Der Polizei? Oder von wem auch immer eine solch rabiate Behandlung aller Beteiligten? Empörend und kontraproduktiv.

Ich wünsche mir sehr, dass hier mit diesem Träger und all denen, die ein gutes Konzept gebaut und umgesetzt haben, doch noch ein Platz für eine weitere Notunterkunft im Landkreis gefunden wird und dass wir nie wieder einen so rabiaten Umgang mit den Betroffenen und Beteiligten erleben müssen.

↔Susanne von Imhoff,

↔Vietze

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