Online: 08.02.2016 - ePaper: 09.02.2016

Keiner weiß, wer Freund und Feind ist

Betrifft: Leserbrief "Die Heimat verteidigen" von Thomas H. Martens (EJZ vom 3. Februar)

Als ich meinem Freund Ammar aus Homs berichtete, dass deutsche Soldaten nach Syrien sollen, schaute er mich nur erstaunt an. Dann fragte er: "Und gegen wen genau sollen die kämpfen? Kennen sie den Feind?"

Das dokumentiert das Problem in Syrien. Keiner weiß, wer Freund und wer Feind ist. Die Regierungstruppen von Assad, Freund oder Feind? IS, für die meisten eher Feind. Hisbollah, Freund oder Feind? Freie syrische Armee? Gemäßigte Rebellen? Extremistische Rebellen? Christliche Milizen? Die Kurden? Terroristen? Wer kämpft gegen wen? Und warum? Oder gemeinsam gegen einen anderen? Und morgen dann gegeneinander? Fragen über Fragen. Wem, Herr Martens, sollen sich die jungen Männer denn Ihrer Meinung nach anschließen? Und was ist, wenn jeder sich einer anderen Gruppe anschließt? Dann sind sie tot, und ihre Familien müssen fliehen oder verhungern. Wem ist damit geholfen? Es ist einfach, am heimischen Küchentisch Urteile zu fällen, aber die Welt ist nicht mehr so einfach wie vor 72 Jahren, als es eine schöne Front mit zwei klar definierten Feinden gab. Und diese Leier: "Nun müssen deutsche Soldaten dahin, wo Männer von 18 bis ? in sehr großer Zahl Frauen und Kinder im Stich lassen, fahnenflüchtig werden und hier auf Mitleid und Trauma machen." Die ist einfach nur populistisch und zeugt von einer gehörigen Portion Uninformiertheit und Menschenverachtung, wie eigentlich der gesamte Beitrag und der der Vorredner.

↔Hannes Dörr, Gülden

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