Online: 08.02.2016 - ePaper: 09.02.2016

Richtung für Politik vorgegeben

Betrifft: Artikel "Irgendwann bohren Sie" (EJZ vom 4. Februar)

Bereits mit seiner Stellungnahme im Mai 2013 hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) beim Bundesministerium für Umwelt erklärt, dass eine Gewinnung von Schiefergas durch Fracking weder in der Lage ist, die Gaspreise zu senken, noch eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten und insoweit von diesem Gremium namhafter Wissenschaftler auch nicht als förderwürdig erachtet wird. Der SRU stellt in dieser Stellungnahme weiter fest: dass insofern kein besonderes übergeordnetes öffentliches Interesse an der Erschließung dieses Energieträgers, möglicherweise aber ein betriebswirtschaftliches Interesse der Industrie besteht.

Die Notwendigkeit der Dekarbonisierung der Energiegewinnung ist richtig. Dazu trägt die Energieerzeugung aus Windkraft, Sonnenenergie und Wasserkraft bei. Aber in keiner Weise die Nutzung eines durch zweifelhafte chemische Verfahren und nur durch hohen Einsatz von Energie und Kapital gewonnenes Schiefergases.

Zu erwarten ist noch das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen bei Anwendung von Fracking im großen Stil. Mit diesem Scheinargument ist bisher noch jede Schweinerei gerechtfertigt worden. Aber bleiben wir sachlich. Am 13. Mai 2015 veranstalteten das ifo Ins-titut für Wirtschaftsforschung und der SRU ein gemeinsames Symposium zum Thema "Energiewende: Konsequenzen für den Industriestandort Deutschland?" Hier argumentierte der Vorsitzende des SRU, Prof. Faulstich, dass positive Lernkurven sowohl bei erneuerbaren Energieerzeugungstechnologien als auch bei Speichern zu erwarten sind. Die Energieversorgung basierend auf erneuerbaren Energien sei somit die kostengünstigste Option. Regenerativer Strom kann die ganze Industriegesellschaft versorgen. Auch Industrieunternehmen profitieren im Allgemeinen von der Energiewende.

Damit sollte eigentlich auch für Politiker die Richtung vorgegeben sein. Dass einige Politiker und Behördenvertreter den Rat dieser Sachverständigen nicht beachten, ist nicht neu. Viele handeln auch hier nach dem Grundsatz: "Wes' Brot ich ess, des' Lied ich sing." Deshalb sollten wir die klare Positionierung der Realverbandvertreter in Prezelle besonders begrüßen.

Klaus Sommer, Prezelle

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