Online: 16.02.2016 - ePaper: 17.02.2016

Börsenspiel unverantwortlich

Betrifft: "Börsenneulinge erfolgreich" (EJZ vom 3. Februar)

Super Jungs, Euer Börsenspiel - eine coole Sache! Ihr passt in die Zeit, Ihr seid im Mainstream unserer Gesellschaft angekommen. Das, was zählt, ist Geld! Was denn sonst? Ihr lernt es Geld zu zocken, und zwar, um einen " ...möglichst hohen Depotgewinn zu erzielen". Darum geht es! Das richtige Signal an Euch. So kommt Ihr durchs Leben! Und wer am erfolgreichsten zockt, der kriegt sogar noch extra Kohle und dazu noch einen Ausflug in die Autostadt Wolfsburg. Ihr seid die "moneymaker", und auch noch so erfolgreich! Ihr könnt stolz sein! Ich bin begeistert.

Nein, so lustig ist das alles nicht. Für mich kein Spiel. Der Bericht "Börsenneulinge erfolgreich" macht betroffen. Es ist positiv, dass junge Menschen lernen, die Finanzwelt besser zu verstehen, doch Anleitung zum Geld verzocken?

Die entscheidende Frage ist: Schadet das Geld den Menschen und der Umwelt, oder kommt es den Menschen und der Umwelt zugute? Wie etwa in der Förderung sozialer oder ökologischer Projekte, Grundsatz zum Beispiel der GLS-Bank in Bochum. Und Aktiengeschäfte sind problematisch. Liebe Schülerinnen, liebe Schüler: Wie geht Ihr damit um, dass Aktiengeschäfte oft verbunden sind mit dem Verlust von Arbeitsplätzen oder einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen von Menschen?

Was macht es mit Euch, dass Konzerne etwa aus der Chemie-, Lebensmittel-, Rüstungsindustrie oder Energiewirtschaft, Konzerne, die sich über Leben oder die Gesundheit von Menschen hinwegsetzen und die Umwelt rücksichtslos ausbeuterisch zerstören, durch Aktien unterstützt werden? Und falls Ihr einmal in das Börsengeschäft einsteigen solltet, Ihr wisst ja, wie das geht, die Fährte ist gelegt, das Börsenspiel hat gewirkt.

Was für ein Gefühl ist es, Geld zu gewinnen, das andere erarbeitet haben? Wer sind die Verlierer? Und tragt Ihr nicht mit Aktiengeschäften dazu bei, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft immer tiefer wird, die Ungerechtigkeit größer, soziale Spannungen weiter zunehmen? Und wenn es dann einmal so sein sollte, was macht Ihr mit den fetten Gewinnen, auch aus sogenannten Nachhaltigskeitsaktien? Konsum, Konsum, Konsum, auf Kosten von Ressourcen und Klima? Nachhaltig?

Oder gehört Ihr zu den 63 Prozent der jungen Menschen, die laut Untersuchung des Umweltbundesamtes der Aussage zustimmen "Die Umwelt kann nur gerettet werden, wenn wir weniger konsumieren"? (EJZ 27.1.16 ) und widersteht den Verlockungen des Geldes?

Doch vielleicht ist Euch das alles bewusst und Eure Lehrer sprechen mit Euch darüber und auch über die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält. Aktien sind es jedenfalls nicht. Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg über Schulen des Landkreises an junge Menschen herantritt und in unverantwortlicher Weise ihre eigenen Interessen für derartige Geldgeschäfte verfolgt. Auch Lehrkräfte können informieren.

↔Hermann Klepper,

↔Banzau

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