Online: 16.02.2016 - ePaper: 17.02.2016

Hooligans auf vier Rädern

Betrifft: Artikel "Das ist lebensgefährlich" und Satire "So gesehen" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 9. und 13. Februar)

Wird jetzt von der EJZ zum Halali auf die Fahrradfahrer geblasen? Der Tenor in obigen Veröffentlichungen hat nichts mehr mit sachlicher Berichterstattung zu tun.

Recherche wäre hier sehr hilfreich gewesen. Dabei bin ich immer davon ausgegangen, dass Recherche zur Grundausstattung von Journalisten gehört! Aber wenn es ums Auto geht, kann wohl auch aus dem Kfz-Bauch ein Artikel oder eine Kolumne geschrieben werden. Sehr fatal! Denn das Verhältnis der Autofahrer zu den Radfahrern ist noch nie besonders gut gewesen. Durch diese Veröffentlichungen werden sich sicherlich die Hooligans (siehe "So gesehen") auf vier Rädern bestätigt fühlen und vielleicht noch eins draufsetzen.

Worauf sich Herr Feuerriegel für die Radfahrer freut, ist schon immer Alltag für die Radfahrer außerhalb Ortschaften gewesen. Deshalb die Forderungen nach außerörtlichen Fahrradwegen. Zum Glück gibt es aber auch immer mehr Autofahrer/innen, die Rücksicht nehmen. So wie ich dies auch tue, wenn ich mit dem Rad auf dem Fahrradweg fahre und zum Beispiel vor mir über die ganze Breite des Weges Fußgänger laufen, tief ins Gespräch vertieft und mein Klingeln und Rufen nicht hören, bis sich doch jemand umdreht und ganz erstaunt mir entgegensieht, dass da eine Radfahrerin auf dem Radweg kommt. Das ist zwar auf Dauer nicht mehr komisch, aber es wird niemand dabei verletzt.

Es geht umSicherheit

Anders wenn innerörtlich die Radfahrer von Autofahrern nicht wahrgenommen werden, trotz des besonders hervorgehobenen Fahrradweges. Da ist es leider öfter zu sogar schweren Verletzungen gekommen. Soll das etwa zurückstehen hinter der Forderung der Autofahrer auf "zügiges und komfortables" Vorankommen?

Die Herren Journalisten scheinen eines nicht begriffen zu haben: Es geht hier um die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit der Radfahrer und nicht in erster Linie um das "zügige und komfortable" Vorankommen der Radfahrer. Obwohl das ebenso selbstverständlich sein sollte wie bei den Autofahrern. Und nicht aufgrund schlechter Fahrradwege man Angst haben muss zu stürzen.

Das Gesetz, dass Fahrradfahrer in der Regel auf der Straße fahren sollen, ist kein neues. Fahrradwege sollten nur dort entstehen, wo es gefährlich für Radfahrer ist. Die Praxis ist leider genau umgekehrt. Aber die Lobby der Autofahrer ist eben bedeutend stärker, und in den entscheidenden Stellen sitzen auch meistens Autofahrer. Weshalb man vielleicht davon ausgehen kann, dass es keine Information von der Verwaltung über die Veränderung der Fahrradwegepflicht gegeben hat. So was sollte doch selbstverständlich sein!

↔Annemarie Kapp, Leitstade

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