Online: 19.02.2016 - ePaper: 20.02.2016

IGS: Wieso einseitiger Blindflug?

Betrifft: Pläne für eine IGS in Dannenberg

Schulentwicklung 2009: Es gab drei Infoabende für Eltern, Lehrer, Politiker, EJZ. Alles war unaufgeregt, als sich praktizierende IGSn jeweils drei Stunden vorstellten. Nicht CDU, nicht Lehrer, nicht EJZ, kein Pro-FRG stellte diese Art des Kennenlernens einer Schulform in Frage, die es in DAN nicht gibt.

Das neue Schulgesetz erleichtert die Einrichtung einer IGS. 2009 hatten 70 Prozent der Eltern bei der Befragung eine Gesamtschule bevorzugt. Da ist eine neuerliche Abfrage ja wohl demokratische Pflicht. Aber gegen Befragung und das "Teufelswerk" IGS wird polemisiert und gehetzt, obwohl 150 Nordkreis-Kinder täglich zur KGS Clenze fahren, in eine Schule, die für 500 konzipiert war und jetzt mit 1000 aus den Nähten platzt.

Der Stadtrat Dannenberg forderte jetzt ein Abitur unabhängig von der Schulform und eine gut vorbereitete Elternbefragung. Massiv trat dort die Pro-FRG auf und ein Pastor, dessen Frau Gymnasiallehrerin ist, beschimpfte die Ratsleute, die dies beschlossen, wörtlich als "Zocker und Träumer". Das verletzt.

Leider schüttet die EJZ täglich Öl ins Feuer. Der Chefredakteur titelte mit "Gymnasialer Blindflug" und "Breit angelegte statt einseitige Information". Tage vorher beschimpfte er Eltern, die Leserbriefe schreiben, als Nachplapperer und IGS-Befürworter als "Ideologen der Gleichmacherei". Er versteht das Grundprinzip nicht: Es geht eben nicht um Gleichmacherei, sondern um mehr Chancengerechtigkeit, indem Schüler/innen als Individuen betrachtet werden, mit verschiedenen Stärken und Schwächen, verschiedenem Lerntempo, auf die Lehrende sich auch einzeln einstellen müssen. Damit irgendwann Schluss ist, dass in Deutschland wie sonst nirgends der Lernerfolg von sozialer Herkunft abhängt.

Als CDU-MdL Bertholdes mir im Landtag bezüglich IGS noch "sozialistische Zwangsbeglückung" vorhielt, erzählte mir der schulpolitische Sprecher der CDU, dass er seine Kinder zur IGS schicke. Das deckt sich damit, dass die CDU im Lande öfter pro IGS auftritt.

Der Gipfel aber ist, dass die EJZ ihren "aufklärenden" Journalismus rühmt und einen Brief der Landeschulbehörde als Beweis gegen IGS anführt. Dabei sagt die darin, dass eine IGS von den Zahlen her durchaus möglich sei, aber man eben keine Glaskugel besitze für Voraussagen. Deshalb halte man sich an das Gesetz, was den Zeitpunkt der Beantragung einer Oberstufe angehe. Nicht geschrieben hat die EJZ aber, dass die Behörde die jetzige Praxis einer Oberstufen-Kooperation von FRG und KGS nur als "Übergang" bezeichnet, der bei zurückgehenden Zahlen gefährdet sein kann.

CDU/SPD wollen jetzt fünf Infoabende, wo sich alle Schulformen vorstellen sollen. Da hat jeder maximal zehn Minuten. Information über verschiedene IGS-Konzepte? Gleich Null. Dabei informieren hiesige Schulen doch seit jeher intensiv, werben mit Tagen der offenen Tür etc. Ich empfehle: Schluss mit Hetze, Eigeninteressen und Verhinderung aus Prinzip. Fair über hier unbekannte IGSn informieren, und dann sollen die Eltern von Grundschul- und Kita-Kindern abstimmen.

Kurt Herzog,

Dannenberg,

SOLI-Fraktionsvorsitzender

im Kreistag

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