Online: 19.02.2016 - ePaper: 20.02.2016

Feindbilder führen nicht weiter

Betrifft: Satire "So gesehen: Zügig wird's" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 13. Februar)

Ja, es gibt rücksichtslose Radfahrer. Ja, es gibt rücksichtslose Autofahrer. Beide Seiten können von unerfreulichen Begegnungen mit der jeweils anderen Spezies berichten - und sie können ihre jeweiligen Gegner als Hooligans oder als Terroristen bezeichnen. Führt das weiter?

Zu den drei Artikeln beziehungsweise Meinungsäußerungen in der EJZ vier Bemerkungen.

1. Radfahrer sind - wie Fußgänger - "weiche" Ziele. Wenn sie mit Autos kollidieren, sind selten die Autofahrer die Verletzten oder sogar Getöteten. Radfahrer "gerieren" sich nicht als Opfer, sie sind in der Regel die Opfer.

2. Radfahrer sind ernsthafte Verkehrsteilnehmer, die ebenso wie die Autofahrer zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder auch zum Vergnügen fahren.

3. Die Verkehrsplanung sollte rational erfolgen und vorrangig das Unfallrisiko vermindern (und möglichst auch noch die Stadtarchitektur und die Lärmentwicklung und die Luftverschmutzung verbessern, also die Lebensqualität erhöhen). Persönlicher Ärger, Anekdoten, Vorurteile sind schlechte Ratgeber.

4. Natürlich sind die bisher getätigten und für die Zukunft eingeplanten Ausgaben für Radwege nicht umsonst. Die Radwegebenutzungspflicht soll (fast) ausschließlich innerorts aufgehoben werden. Radfahrer werden von Autofahrern einfach besser gesehen, wenn sie auf der Straße und nicht auf getrennten Radwegen fahren - was nach bisherigen Erkenntnissen einen deutlichen Sicherheitsgewinn bringt.

Was weiter führt, ist nicht die Entwicklung und Zementierung von Feindbildern, sondern ein großzügiger, fairer Umgang miteinander. Muss man eigentlich bei Provokationen aggressiv reagieren?

Dr. Klaus Mundhenk,

Dannenberg

^ Seitenanfang