Online: 19.02.2016 - ePaper: 20.02.2016

Scharf formulierte Schelte

Betrifft: Artikel "Das ist lebensgefährlich" und Satire "So gesehen" von Jens Feuerriegel (EJZ vom 9. und 13. Februar)

Der Bericht enthält nach meiner Einschätzung doch einige Unzulänglichkeiten, die hinterfragt werden sollten. Das Thema Radfahren im Landkreis ist so sensibel, dass es einer sorgfältigeren Behandlung bedarf. Warum stellt rg schon unter "Ihre EJZ heute" die Ergebnisse einer Studie zur Sicherheit von Radfahrern auf der Straße infrage, indem er formuliert: Dazu soll es sogar Studien geben! Er suggeriert, dass es diese Studien möglicherweise gar nicht gibt. Nötig wäre hier gewesen, diese Studien auf ihre Verlässlichkeit zu überprüfen oder zumindest den Auftraggeber dieser Studien zu ermitteln. Herr Neubauer, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes, hätte da sicherlich weiterhelfen können. Doch der ist nicht kontaktiert worden! Nach seiner Aussage sollen nur Radwegschilder innerhalb von Ortschaften demontiert werden und nicht alle! Sauber recherchiert?

Ich bin übrigens kein Mitglied des ADFC, aber viel mit dem Rad unterwegs. Manchmal mit dem Rennrad, häufiger mit meinem Alltagsrad, teilweise mit Anhänger. So erlebte ich seit vielen Jahren den Straßenverkehr aus verschieden Blickwinkeln eines Radlers. Nach zwei schwereren Unfällen mit Krankenhausbehandlung, bei denen mich jeweils Autos vom Radweg abräumten - stets ohne mein Verschulden - fühle ich mich innerorts auf der Straße sicherer und weiß, dass ich dort von motorisierten Verkehrsteilnehmern besser wahrgenommen und respektiert werde. Sicherheitsempfinden ist aber eine sehr individuelle Angelegenheit. So halte ich die vom ADFC empfohlene Wahlfreiheit für eine sinnvolle Lösung. Wer sich als Radfahrer auf kombinierten Rad-/Fußwegen nicht eingeengt oder behindert fühlt, sollte dort fahren. Übrigens ist dann auch durchaus flotteres Fahren als Schritttempo möglich, wenn sich bei übersichtlichen Passagen keine weiteren Verkehrsteilnehmer auf dem Weg befinden. Die Aussage von Henning Bodendieck kann ich nicht nachvollziehen. Kinder bis zum zehnten Lebensjahr dürfen auf Fußwegen fahren. Schüler müssen, wenn eine neue Regelung getroffen wird, vor Ort richtig eingewiesen werden. Und das machen doch in der Regel die Schulen oder die Eltern.

Und dann platzt am Sonnabend der schneidende Kommentar von Jens Feuerriegel zu diesem Thema in die Frühstücksidylle. Er beklagt sich über radelnde "Hooligans", ereifert sich über die "vielen Wildsäue" unter den Radfahrern und scheint diese nur als eine große Plage zu erleben. Sicherlich gibt es vereinzelt das beschriebene Fehlverhalten. Wie müsste dann eine ebenso scharf formulierte Schelte gegen die "Kraftfahr-Rambos" aus der feurigen Feder von Herrn Feuerriegel ausfallen? Wie viele dieser wilden Autofahrer sorgen für Tote und Verletzte und unsägliches Leid? So diese Diskussion zu führen, bringt nichts. Verkehrssituationen zu entspannen, kann nur gelingen, wenn Verkehrsteilnehmer Verständnis für einander haben und versuchen, sich in die Rolle des anderen zu versetzen.

Reiner Burmester,

Hitzacker

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