Online: 22.02.2016 - ePaper: 23.02.2016

Masterplan für die Jeetzelufer

Betrifft: EJZ-Bericht "Schande oder Gefahrenabwehr" (EJZ vom 5. Februar)

Irgendjemand im öffentlichen Dienst wird letztlich für die Baumfällaktion am kanalisierten Jeetzelufer in Lüchow verantwortlich sein. Diese Person genießt durch ihr Dienstverhältnis nicht ohne Grund einen besonderen Schutz. Ihre Aufgabe ist, sich umfassend für das öffentliche Wohl einzusetzen. Das kann mitunter nicht nur unbequem, sondern auch sehr unangenehm sein.

Was ist geschehen? Um 1960 wurde mit unglaublicher Brutalität die Schneise der damals zu kanalisierenden Jeetzel durch das Weichbild von Lüchow geschlagen. Es war das reine Ingenieurbauwerk von Wasserbauern, die von Städtebau keine Ahnung hatten. Alle Beteiligten haben geschlafen, zumindest aber nicht den Mut gehabt, für eine angemessene Einbindung in das Stadtbild zu sorgen. Vielleicht haben sie es damals aber auch aus dem Zeitgeist heraus nicht besser gewusst.

Ist man inzwischen schlauer geworden? Jedermann spürt heute noch die unverheilten und schlecht vernarbten Wunden im Stadtbild. Wie tröstlich wirkte dieser Abschnitt zwischen den Brücken der Langen Straße und der Theodor Körner Straße, in dem inzwischen große Weiden den trostlosen Anblick von Brandwänden und Grundstücksrückseiten verhüllten. Es ist allzu billig, sich auf den Buchstaben von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien etc. zu berufen und sich hinter einem Gutachten zu verschanzen. Wer in verantwortlicher Position ist, muss nicht nur ständig auch den Sinn des Gesetzes hinterfragen, sondern auch über den Tellerrand blicken.

Wenn nun tatsächlich Gefahr für Leib und Leben bestanden haben sollte, so stellt sich doch die Frage, ob nicht andere Möglichkeiten als das radikale Absägen bestanden hätten, dieser zu begegnen. Die Begründung, dass die Uferbefestigung und angrenzende Gebäude durch die Wurzeln bereits Schaden genommen hätten, ist in Anbetracht der städtebaulichen Bedeutung der Bäume eher dürftig.

Es ist zu hoffen, künftig derartige Absichten, in der Öffentlichkeit anzukündigen und rechtzufertigen, auch wenn dies gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Dann wäre man zwangsläufig auf die Idee gekommen, dass dieser Eingriff nicht ohne Konzept für einen Ausgleich erfolgen durfte. Weitsichtige Behörden und vor allem kluge Politiker kämen zu dem Schluss, dass endlich ein Masterplan zur Aufwertung der Jeetzel für den Stadtraum erstellt werden muss. Dann könnte man die Maßnahmen zur Beseitigung der schwerwiegenden Folgen sinnvoll einbinden.

↔Klaus Reimpell,

↔Lüchow

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