Online: 26.02.2016 - ePaper: 27.02.2016

Gefahr beim Überholen nicht unterschlagen

Betrifft: Artikel "Innerorts im Fokus" (EJZ vom 18. Februar)

Die vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) angestrengte Kampagne (Fahrräder auf die Straße) halte ich für problematisch. Ich bin sowohl Kraft- als auch Radfahrer mit über 50-jähriger Praxis und würde der aus dem Kreishaus gegebenen Meinung, sicherer sei es auf dem Radweg, zustimmen. Die Unterscheidung inner- oder außerorts ist für mich eine Scheindifferenzierung. Außerorts sind Radwege so rar, dass sie keine Vergleichsgröße darstellen. Dies unterschlägt der ADFC, sodass im Ergebnis seine Kritik an der Berichterstattung ins Leere geht. Ich habe einige Jahrzehnte in einer Großstadt gelebt und kenne den vorbeirauschenden Verkehr, wenn Radfahrer auf die Straße mussten. Oft konnten die Autos nicht weit genug zum Überholen ausweichen, zockelten aber auch nicht dem Radfahrer hinterher und gefährdeten deswegen den Radfahrer beim Überholen. Diese Wahrnehmung ist objektivierbar anhand der vorgeschriebenen Fahrbahnbreite. Die Gefahren für den Radfahrer an Kreuzungen leugne ich nicht, aber als Radfahrer kann ich akustisch und visuell den überholenden Verkehr wahrnehmen und auch rückwärts schauen. Bei abbiegenden Lkw rechne ich immer mit dessen eingeschränkter Sicht und suche Blickkontakt. Dann muss man auch einmal abbremsen, aber dafür würde ich keine Kampagne starten. Statistiken sind ein wichtiger Indikator. Es wäre aber erforderlich, über allgemeine Feststellungen hinauszugehen und diese in typische Unfallsituationen zu differenzieren. Das Geschmäckle ist, dass der ADFC möglicherweise seinerseits etwas übertrieben zu regeln versucht. "Engagierte" Radfahrer, die ich kannte, hatten oft auch den Hintergedanken, das Tempo des "bösen" Autofahrers abzubremsen. Also: Der ADFC möge die geschilderte Gefahr durch Überholen nicht unterschlagen, die Statistik durch typische Unfallverläufe konkretisieren und dann prüfen, ob Regelungen zu ändern wären. Übrigens: Kürzlich kollidierte ich als Kraftfahrer innerorts fast mit einem Radfahrer, der den Radweg auf der falschen Seite nahm. Ginge es nach dem vom ADFC gepriesenen Verhalten, wäre die Rede vom Geisterfahrer gewesen.

↔Michael Langer, Wustrow

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