Online: 26.02.2016 - ePaper: 27.02.2016

Die Bundesländer kochen ihr eigenes Süppchen

Betrifft: die Fahrrinne der Elbe

Wie gewissenlos muss ein Wirtschaftswesen sein, dass es die größten Frachtschiffe der Welt nach Hamburg lotst, wo doch ein Tiefwasserhafen buchstäblich vor der Haustür liegt? Es ist einzig und allein der Gier der Hamburger Pfeffersäcke geschuldet. Da krankt das föderalistische System, in dem jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kochen kann, gesteuert von der jeweiligen Lobby, die die Ministermarionetten nach Belieben tanzen lässt.

Nachdem der Riesenfrachter freigeschleppt werden konnte, ist keine Einsicht zu erwarten. So ein "Betriebsunfall" kann schon mal passieren. Da geht man doch lässig zur Tagesordnung über - und weiter so. Wo käme man denn hin, wollte man Vernunft walten lassen? Das ständige Ausbaggern der Fahrrinne schafft schließlich sichere Dauerarbeitsplätze, und Flora und Fauna kriegt man auch kaputt, sodass darauf in Zukunft keine Rücksicht mehr genommen werden muss. Noch in diesem Jahr soll ein Gericht über die Vertiefung der Elbe-Fahrrinne entscheiden.

Ich wage eine Prognose: Die Baggerarbeiten werden nur unter "strengen Auflagen" gestattet. Vorschlag: Der Schlick darf weder in der Binnen- noch in der Außenalster verklappt werden. Dazu passt das neu verhandelte Abkommen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, das die Verklappung bei Helgoland vorsieht. Das bringt Pluspunkte vor Gericht, wenn man weiß, wohin mit dem Dreck. Und da Kuhhandel (sprich Deal) vor Gerichten gängige Praxis ist, ist überregionale Vernunft kaum zu erwarten. Eigentlich schade, dass die Bergungskosten wohl von der Versicherung übernommen werden. Müsste der Schiffseigner dafür aufkommen, ließe er vielleicht in Zukunft seine Frachter im Jade-Weser-Port anlegen. Arbeitsplätze in Niedersachsen sind nicht weniger wert als die in Hamburg oder Holstein. Von Hamburger Seite ist weder Einsicht noch Einlenken zu erwarten.

↔Willi Grande, Prisser

^ Seitenanfang