Online: 01.03.2016 - ePaper: 02.03.2016

Menschenwürdige Verhältnisse auch für Flüchtlinge

Betrifft: Artikel ",So soll Integration gehen?'" (EJZ vom 24. Februar)

So soll Integration gehen? Natürlich nicht, und es ist ja auch politisch gar nicht gewollt. Nicht nur, dass das Asylrecht weiter beschnitten wird und die Menschen durch Zäune ausgeschlossen werden. Nein, man möchte den hier Angekommenen den Aufenthalt so unbequem wie möglich machen. So werden die Menschen, anstatt sie in Wohnungen unterzubringen, fernab jeder Stadt in Wittfeitzen in einer Ferienanlage im Wald ohne öffentlichen Nahverkehr untergebracht.

Wird das Papier "Faktoren für die Beurteilung der Unterbringungssituation von Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften" zur Grundlage genommen, herausgegeben vom sächsischen Ausländerbeauftragten, wird schnell deutlich, dass einiges im Argen liegt. Zitate: "Die Unterbringung von Familien und alleinstehenden Frauen in Gemeinschaftsunterkünften ist in der Regel nicht angemessen [...]" "Dem Schutzbedürfnis von Frauen und Familien in Gemeinschaftsunterkünften muss gesondert Rechnung getragen werden. Deshalb sind abschließbare Wohneinheiten mit Küche und Sanitärbereich [...] besonders wichtig." "Heimbeiräte ermöglichen eine Mitwirkung und Mitverantwortung der Bewohner in Angelegenheiten des Heimbetriebs. Ebenso sollten die Bewohner transparent in Heimabläufe und Aufgaben einbezogen werden." "Die Umgebung und die Lage der Unterkunft sind ausschlaggebend für die soziale Inklusion von Asylsuchenden. Dazu gehört zum Beispiel die Erreichbarkeit von Behörden, Beratungsstellen, Vereinen und von Einkaufsmöglichkeiten mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Anbindung an den ÖPNV ist auch ausschlaggebend für die Möglichkeiten der Bewohner, sich ehrenamtlich zu betätigen, Bildungsangebote wahrzunehmen und am soziokulturellen Leben teilzunehmen. Mit steigender Entfernung wächst die Gefahr der sozialen Isolation. Zu einer menschenwürdigen Unterbringung gehört deshalb auch, dieses Miteinander konstruktiv und unter Einbindung der Asylsuchenden zu gestalten. Dabei geht es nicht nur um beratende Angebote, sondern auch um kulturelle oder um Bildungsangebote wie z. B. Sprachkurse oder Bildungspatenschaften. Repressive Hierarchien in Gemeinschaftsunterkünften sind ein Sicherheitsrisiko." In Gesprächen mit Flüchtlingen wird klar, dass vieles davon in Wittfeitzen nicht umgesetzt wird. Zimmer mit rund zwölf Quadratmetern für drei Personen sind viel zu eng. Zudem fühlen sich aber auch viele Flüchtlinge durch repressive Maßnahmen unter Druck gesetzt. Das betrifft aber nicht nur die Flüchtlinge. Mitarbeiter haben gekündigt, und ehrenamtlichen Helfern wurden Hausverbote erteilt. Die Frage ist, warum der Landkreis die Leute zu solchen Bedingungen dort unterbringt, wo es doch noch immer freie Wohnungen gibt. Menschenwürdige Verhältnisse auch für Flüchtlinge.↔Hans-Erich Sauerteig,

↔Meuchefitz

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