Online: 01.03.2016 - ePaper: 02.03.2016

Entbehrungen durch Flüchtlinge?

Betrifft: Fremdenhass

Mir fällt es schwer, manchen Argumentationen zum Thema Flüchtlinge zu folgen. Da fliegen viele unserer Nachbarn, Freunde und Bekannte jährlich in ferne Länder. Sie kehren mit Fotos und allerlei Mitbringseln aus dem Ausland zurück und schwärmen von fremden Kulturen, Bräuchen und Sitten. Auch oft von der Gastfreundschaft und der Freundlichkeit der Menschen. Aber kommt ihr bitte nicht zu uns, wir wollen euch nicht. Zum Begaffen kommen wir gerne mal mit dem Flieger zu euch.

Bedenken wir doch mal, was nach 1945 hier bei uns in Deutschland los war. Ich vermute, das Wort Asyl wurde zu jener Zeit nicht verwendet. Weder Containerstädte, Kasernen noch Sporthallen wurden zur Verfügung gestellt. Was wäre heute unser Landkreis ohne all die Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und anderen Ostgebieten? Alles Menschen, die unser Land nach diesem grausamen Krieg mit aufgebaut haben. Diese Menschen wurden einfach auf Familien, Höfe und Wohnungen verteilt. Es hat funktioniert.

Wer Fremdenhass propagiert, der beantworte eine ganz einfache Frage: Was nehmen mir die Flüchtlinge persönlich in meinem Leben, welche Entbehrungen habe ich durch die Flüchtlinge? Ich kann antworten: nichts! Sie nehmen mir weder Geld, Job noch Wohnung. Was ich als Glück empfinde, ist die Tatsache, hier im Wendland zu leben. Wir versuchen, tolerant und hilfsbereit zu sein. Ich möchte nicht in Dresden, Leipzig oder Halle leben.

Gleichwohl waren diese unsere Mitbürger bis 1989 Ausländer, mit Polemik könnte man sagen: Hätten wir das Tor nicht aufgemacht, wären sie heute noch im Unrechtsstaat eingesperrt. Das vor diesem Hintergrund der Hass in den neuen Bundesländern so groß ist, lässt mich staunen. Die Diskussion über schwarze Schafe ist haltlos, die gibt es überall - nicht nur unter Asylbewerbern. Ja, und sie haben Smartphones. Aber die haben mittlerweile fast alle Grundschulkinder. Also abwägen, was wird mir durch die Flüchtlinge genommen, oder gar gegeben? Ich hoffe, am Ende werden aus Fremden Freunde.

↔Jens Platz, Clenze

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