Online: 08.03.2016 - ePaper: 09.03.2016

Integration mehr als nur verwalten

Betrifft: Artikel "Turnhalle statt Wohnung" (EJZ vom 24. Februar) und "Der Kreis schafft das (noch?)" (EJZ vom 26. Februar)

Zur Zeit weiß ich nicht mehr recht, welches Gefühl stärker in mir vorherrscht: Zorn über die Hartleibigkeit und Kälte einiger Entscheidungsträger oder die Trauer über die Verbürokratisierung unseres Landes, das offensichtlich empathischem Verhalten keinen Raum mehr lassen will.

Mein Vorwurf im Artikel "Turnhalle statt Wohnung" war ja gerade der, dass sich Entscheidungsträger nur nach dem Gesetz richten. Damit man mich nicht falsch versteht: Ohne Organisation und Regeln werden wir die neue Situation nicht geregelt bekommen. Aber jede Regel kennt Ausnahmen. Hätten die Damen und Herren, die sich so einig in der strikten Befolgung der Regeln sind, auch so gehandelt, wenn es sich nicht um Flüchtlinge, sondern um Familienangehörige gehandelt hätte? Ich will keine unzulässigen Vergleiche anstellen. Aber gegen die Erklärung "Wir haben nur unsere Pflicht getan und das Gesetz befolgt!" ist meine Generation 1968 auf die Straße gegangen.

Ich dachte, wir wären etwas weiter. Gesetze ohne regulierende Empathie sind kalt und werden leicht menschenverachtend. Zur Integration gehört mehr als nur verwalten. Und es reicht nicht, seine Hände "in Unschuld zu waschen". Um Erich Kästner zu zitieren: "An all dem Unsinn, der passiert, sind nicht nur die schuld, die ihn verursachen, sondern auch die, die ihn zulassen". Und weiter: "Es gibt nichts Gutes - außer, man tut es".

Frau Prystuppa hat völlig Recht. Es wurden "falsche Erwartungen erzeugt", und zwar die, dass das menschliche Herz nicht in einem Käfig von Paragraphen verdorrt. Und Frau Lüth-Küntzel zur Information: Die in Aussicht gestellte Wohnung war auf dem Wohnungsmarkt noch gar nicht aktuell erschienen, konnte also den Wohnungsmarkt für Flüchtlinge gar nicht verknappen, sondern kam dazu. Und Herr Teske will bei allen die gleichen Maßstäbe ansetzen. Nun, manchmal passen die nicht überall. Wir werden schon noch etwas mehr differenzieren müssen, wenn die Integration gelingen soll. Und wenn sie, ich zitiere: "nach einem individuellen Integrationskonzept" suchen - wie individuell dann noch? 80 Millionen Deutsche sollen eine Million Flüchtlinge integrieren - ich hatte angeboten, das für drei Personen teilweise zu übernehmen - das wurde durch die Verwaltung abgelehnt. Na, dann man viel Erfolg mit dem "Konzept". Ich halte es mit Wolf Biermann: "Mensch, lass dich nicht verhärten in dieser harten Welt."

↔Anton Tom Wittner,

↔Dannenberg

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