Online: 08.03.2016 - ePaper: 09.03.2016

Menschenverachtend

Betrifft: Leserbrief "Blick durch die Moralbrille" von Ingo Rüdiger (EJZ vom 27. Feburar)

Beim Lesen des Artikels kam ich mir vergleichbar vor wie bei der Waschmaschine im Weichspülgang. Laut Duden bedeuted zocken "Glücksspiele machen", im Jargon auch "Computerspiele spielen". Führende Presseerzeugnisse in Deutschland, wie beispielsweise "Die Welt" oder "Focus" schreiben schon seit einiger Zeit "Die Banken zocken weiter", wobei die bestimmt keine scharfen Kapitalismuskritiker sind. Es ist wohl auch anzunehmen, dass in den Banken dort Bankkaufleute arbeiten.

Dass man bei einem Computerspiel "Börse" Fertigkeiten lernen kann, ist nicht bestreitbar, aber nur welche? Geld "arbeitet" nicht, sondern die Werte werden durch Menschen geschaffen. In einem Börsenspiel lernt man mit Geld anderer spekulativ umzugehen, wobei der Gewinn immer auf Kosten eines Verlierers oder der Verlust auf dem Rücken des Staates und Arbeitnehmern ausgetragen wird (siehe Bankenkrise 2008). Wie spekulativ und menschenverachtend Spekulationsverhalten ist, zeigte sich beispielsweise am Verhalten der Deutschen Bank und der Allianz, die auf Nahrungsmittel gerade in Afrika spekuliert haben, mit ein Grund der jetzigen Flüchtlingswelle von da. Wenn dann noch von Herrn Rüdiger als Alibi der VW-Konzern herhalten muß, weil der eine Gratisstammaktie ausgegeben hat, so ist das ein Beispiel zum Verdummen, abgesehen davon, wie VW in den letzten Jahren durch Abgasmanipulation den Staat und die Käufer betrogen hat. Ein richtiges Börsenspiel würde sich nicht nur um Gewinnfragen kümmern, sondern auch beispielsweise Frauenquote, Versteuerung des Gewinns in Deutschland, Umweltverhalten und anderes kümmern. Insofern wäre es besser, mit dem bekannten Monopoly zu üben. Man sitzt sich dann "face to face" gegenüber und muß nicht gegen seelenlose Computerprogramme spielen. Bert Brecht hat formuliert: "Erst kommt das Fressen und dann die Moral". Für die Banken müßte man formulieren: "Erst kommt der Profit und dann die Moral".

↔Norbert Bleck, Neu Bellahn

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