Online: 16.03.2016 - ePaper: 17.03.2016

IGS-Entscheidung soll durchgeboxt werden

Betrifft: Leserbrief von Kurt Herzog "IGS: Wieso einseitiger Blindflug?" (EJZ vom 20. Februar)

Die Ausführungen des Herrn Herzog bedürfen einiger Korrekturen: Eine Integrierte Gesamtschule (IGS) ist kein "Teufelszeug", sondern eine Schulform mit Vor- und Nachteilen. Gegen sie spricht grundsätzlich nichts, sehr vieles spricht aber gegen eine IGS am Standort Dannenberg. Die Gründe sind veröffentlicht und jederzeit nachlesbar. Allerdings vermeiden es die IGS-Befürworter bisher konsequent, auf diese einzugehen. Operiert wird stattdessen mit unreflektierten Standardfloskeln, einige davon nachprüfbar falsch. Hier liegt der Verdacht nahe, dass schlicht die Argumente fehlen.

Der Unterschied zwischen 2009 und 2016 ist das geänderte Schulgesetz: Heute besteht die Möglichkeit, eine IGS ein- und wirklich großen Schaden anzurichten. Der vehemente Widerstand gegen die IGS-Pläne ist auch eine Antwort auf die Vorgehensweise der Befürworter. Normalerweise formiert sich eine breite Basis von Eltern, Schülern, Lehrern und lokaler Politik, um eine neue Schule ins Leben zu rufen. Hier versucht eine kleine Gruppe Lokalpolitiker, vor dem Hintergrund einer vorteilhaft geänderten Gesetzeslage eine IGS von oben durchzudrücken.

Die befragten Eltern sollen nur über die IGS, nicht über die anderen Schulformen informiert werden. Die Folgen einer IGS sollen nur auf der Rückseite der Stimmzettel abgedruckt werden. Die Entscheidung soll noch kurz vor Ende der Wahlperiode durchgeboxt werden. Bürgerinnen und Bürger mit demokratischem Gespür empfinden dieses Vorgehen als manipulatorisch. Darauf weist Jens Feuerriegel in seinem Artikel zu Recht hin. Völlig verwirrend in dem Leserbrief ist die Argumentation für die IGS. Sie spricht, ebenso wie das berechtigte Lob der KGS Clenze, viel eher für das bestehende System. Auch lässt sich aus den Schülerzahlen der Oberstufe keine Bedrohung für die Kooperation FRG-Clenze ableiten. Gäbe es Schülermangel für die Oberstufe, käme diese an einer neuen IGS erst recht nicht zustande. Das Zitat aus dem Brief der Landesschulbehörde ist ein aus dem Zusammenhang gerissener Nebensatz. Die Behörde betont in dem besagten Brief, dass es sich beim FRG Dannenberg und der KGS Clenze um zwei bewährte Schulen handele, deren Kooperation gut funktioniere. Die vermeintlich verletzende Aussage ist nach meinen Erkenntnissen so nie gefallen. Hier wurde überinterpretiert. Am Ende verirrt sich auch noch der böse Begriff "Hetze" aufs Papier. "Hetze" sucht man - zum Glück - bei der Auseinandersetzung bisher vergebens. Die Eltern von Kita-Kindern und Grundschülern werden nun abstimmen, ob in Dannenberg eine IGS errichtet werden soll. Die gültige Gesetzeslage will es so. Die demokratisch sauberere Lösung wäre aber, wenn die Stimmen aller Bürgerinnen und Bürger gehört würden, nämlich bei den Kommunalwahlen im September.

↔Christina Schulz-Grußdorf,↔Saggrian

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