Online: 18.03.2016 - ePaper: 19.03.2016

Grenzt an Verharmlosen und Täuschung

Betrifft: Artikel "Parteilos oder AfD-Bürgermeister?" (EJZ vom 8. März)

Das also ist die Sicht der EJZ und ihres prämierten Chef-Kommentators zur AfD und ihrem janusköpfigen stellvertretenden Landesvorsitzenden Wilhelm von Gottberg. Gewiss, Herr von Gottberg hat eine interessante kommunale Bilanz vorzuweisen. Die CDU hat er verlassen, weil sie ihm zu links war (oder ihn nicht mehr so richtig aufstellen wollte). Sicher, er ist als ultrakonservativer Rechtsaußen mit nationalkonservativem Hintergrund einzuordnen und deshalb nicht unbedingt mit den tumben Nazis zu vergleichen. Aber macht es das wirklich besser? Nein.

Lüchow-Dannenberg hat nach dem von Nazis und ihren Mitläufern verursachten Weltkrieg immer wieder Flüchtlinge aufgenommen. Wer, wenn nicht Herr von Gottberg, wüsste das besser? Diese Debatte führe ich gern auch mit ihm persönlich und jedem anderen aus dieser fürchterlichen Gruppierung der Herren Lucke und Hans-Olaf Henkel, die Geister gerufen haben, die sie nun nicht wieder loswerden.

Rassistische Ausführungen, ein mehr als nationalkonservatives Weltbild aus den Zeiten des Kaiserreiches, verheerender wirtschaftsfeindlicher Nationalismus und eine bedrohliche Nähe zu den Nazis - all das bietet genug Ansatzpunkte für kritische Diskussionen. Ich habe großes Zutrauen in unsere Gesellschaft und Demokratie, sich diesen Debatten zu stellen. Wir werden es nicht durchgehen lassen, alles darauf zu schieben, dass man mit dem Mauszeiger ausgerutscht ist oder aber es nicht so gemeint hat.

Betroffen macht mich jedoch die krude Logik eines Journalisten, der genau diese Verknüpfungen ignoriert und eine Darstellung wählt, die schon an Verharmlosen und Täuschung grenzt. Man muss also nur als Parteiloser antreten oder es behaupten, es zu sein, und dann wird die EJZ genau so berichten. Unglaublich - ist das wirklich ernst gemeint und jetzt Linie der EJZ? Gilt das auch umgekehrt?

In der Elbtalaue tritt der jetzige Samtgemeinde-Bürgermeister Jürgen Meyer jedes Mal als CDU-Kandidat an und nimmt Spenden für seinen Wahlkampf auf CDU-Konten an. Nach der Logik von Benjamin Piel müsste also bei jeder Erwähnung des Samtgemeinde-Bürgermeisters hinter dessen Namen in Klammern CDU stehen. Merkwürdig, mir ist das noch nie aufgefallen. Legt Piel da zweierlei Maßstäbe an? Ich halte es für wünschenswert, dass Menschen, die sich öffentlichen Ämtern stellen, auch deutlich sagen, wenn sie einer politischen Gruppierung angehören oder sich für diese engagieren. Warum muss jemand so etwas womöglich verbergen? Der Elbe-Jeetzel-Zeitung und ihren Journalisten wünsche ich, dass sie sich immer frei bewegen, frei recherchieren und frei berichten können. Wie AfD, Pegida und die Nazis mit diesem Grundrecht umgehen (wollen), das machen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einem Wort deutlich - es heißt Lügenpresse. Immer häufiger handeln sie auch danach. Ich sage ausdrücklich: Wehret den Anfängen!

↔Klaus-Peter Dehde

↔Neu Darchau, SPD-Unterbezirksvorsitzender

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