Online: 18.03.2016 - ePaper: 19.03.2016

Abstimmung mit den Füßenfür Integrierte Gesamtschulen

Betrifft: Artikel "Nur Gesamtschulen können zulegen" (EJZ vom 12. März)

Das dreigliedrige Schulsystem wird immer weniger angenommen. Dreigliedrig? Haupt- oder Realschulen, Kombination von beiden, Oberschulen, Gymnasien, bundesweit dazu noch Stadtteil-, Gemeinschafts-, Sekundarschulen und viele andere mehr bilden einen Flickenteppich mit vielen Webfehlern. Eine Schule für alle: Eltern bevorzugen die Integrierte Gesamtschule, wohlwissend, dass hier die Chancen auf moderne Unterrichtsformen, größere Schulzufriedenheit und letztlich die erfolgreichere Beendigung der Schullaufbahn für viele erheblich größer sind.

Die Hauptschule will niemand, die Realschulen büßten fast die Hälfte ihrer Schülerinnen ein. Nun werden auch die Gymnasien in den Abwärtsstrudel hineingerissen. Über 100000 Jugendliche weniger im gegliederten Schulsystem, dafür ein Nachfrageboom in den vergangenen zwei Jahren: Er ließ die Zahl der Glücklichen im Land, die bislang schon einen Platz an einer Integrierten Gesamtschule (IGS) ergattern konnten, von 29000 auf 70000 hinaufschnellen - eine eindeutige Abstimmung mit den Füßen.

Viele weitere Gesamtschulgründungen stehen an. In manchen Gemeinden müssen noch bis über 50 Prozent aller Kinder abgewiesen werden. Bildungsgerechtigkeit? Wie weit her ist es denn damit, wenn der Elternwille so missachtet wird? Nur das Gymnasium soll "heilig" bleiben? Akzeptable Schulwege zu allen Schulen werden gefordert. Wie weit müssen unsere Kinder zur nächsten Integrierten Gesamtschule fahren? 40 Kilometer von Neu Darchau, weit über 70 Kilometer von Gartow.

Es gibt jetzt die Chance für unseren Landkreis, die Lücke zu schließen. Von den Arbeitgebern, insbesondere aus dem Handwerk, gibt es die deutliche Forderung nach einer gemeinsamen Schule für alle bis einschließlich Klasse 10 (die EJZ berichtete mehrfach). Nach besserer Qualifizierung insbesondere auch hinsichtlich Teamfähigkeit, Selbststeuerung, Ausdauer und manch anderer Kompetenzen, die für die Ausbildungsfähigkeit wichtig sind.

Gesamtschulen haben hierin seit Jahrzehnten die differenziertesten Erfahrungen, sie unterrichten Menschen, nicht vorrangig Fächer. Hier kümmert man sich um die Einzelnen, auch in schwierigeren Lebenslagen oder bei Leistungseinbrüchen. Vor denen sind übrigens auch und gerade die intelligentesten und höchstbegabten Kinder keineswegs gefeit und daher in einer IGS gemeinsam mit allen anderen am besten aufgehoben.

↔Friederike Borowsky,

↔Glieneitz

^ Seitenanfang