Online: 29.03.2016 - ePaper: 30.03.2016

Niemand flieht, um euch etwas wegzunehmen

Betrifft: Leserbrief "Warum können die Kulturen nicht ein-ander in Ruhe lassen?" (EJZ vom 17. März)

Paul Klußmann fragte: "Wa-rum können die Kulturen nicht einander in Ruhe lassen?", sprach von "wir alle", und "wir, das Volk". Eher sich selbst meinend, doch nicht des Mutes, so zu artikulieren, sprach er "von den Deutschen, die keine Nachrichten mehr ertragen", weshalb sie an Traumata leiden und - wie könnt's auch anders sein - vom Irrsinn der anderen.

Wer "von den Deutschen" schon nur von Nachrichten traumatisiert wird, stelle sich nun eine elend lange Flucht mit Kleinkindern vor - soweit das Vorstellungsvermögen jener das vermag. Weil er auch von Intelligenz sprach, genauer von "keiner größeren Intelligenz", passt das wie die Faust aufs Auge, als er zu Merkels "wir schaffen das" weiter fragt: "Wer ist wir?", obwohl sein Beitrag schon mit dem Wort "wir" beginnt: "Wir alle haben noch vor Augen, wie Frau Merkel verkündete..." Wer ist nun "wir"? Die mit was "vor Augen"?

Flachergeht's kaum

Logo, wer von "Gutmenschen" im Klußmann-Sinn missioniert und domestiziert wird, "wenn nicht anders mit Gewalt", hat Merkels Verkündung auch "vor Augen". Man kann ein Brett vorm Kopf, Tomaten und sonstiges Gemüse "vor Augen" haben, aber keine Verkündung. Wenn schon, hat man die in den Ohren. Nun ja, einfach köstlich "von den Deutschen". Nebenbei: Heißt es nicht eher "als" oder "was" Frau Merkel verkündete, nicht "wie"? Es war ja der Inhalt gemeint. Ist es ratsam mal Augen, Ohren und Hirn zu öffnen, damit das, was für Herz, Verstand und Geist bestimmt ist, auch dort ankommt?

Deutsche, niemand flieht hierher, um euch das, "was sie sich erarbeitet und geschaffen haben", wegzunehmen. Das aber suggeriert Klußmann. Da er offenbar dazu persönlich in seinem Leben keine schlechte Erfahrung gemacht hat, muss die Schwester ran, die in Berlin einen kennt, der mal gesagt hat, dass... Es folgt klassisches Gerede vom Hörensagen. Andere, behaupte ich dann, haben nur einen Bruder, dafür kennt der eine in Hamburg, die aber das Gegenteil gesagt hat, nämlich dass... Also, bitte keine Um-drei-Ecken-Wahrheiten.

Nö, mit "Rechten und Nazis" hat man natürlich nix zu tun - meint er. Wie sollte er auch - bei der Haltung? Welche eigene Kulturenerfahrung macht man in Hitzacker, um zu verbreiten, dass alle Menschen hierher fliehen, "um Hartz-IV zu kassieren, dicke Autos zu fahren und krumme Geschäfte zu machen"? Flacher geht's kaum. Zu oft wird das, zu dem man selbst in der Lage ist, anderen nachgesagt.

Ich kann auch pauschal "von den Deutschen" in DAN mit dicken Autos, krummen Geschäften, Steuerhinterziehung, Sexismus, Meckertum, Betrug und Ausbeutung berichten. Und vom wohl "genebedingtem" typisch deutschem Schweigen des sozial-kulturell-ländlichen Umfeldes dazu, dass das damit deckt, fördert und fröhlich-lockere Parties feiert. Sind "wir" besser? Da Klußmann am Ende ausgerechnet auch noch "Charakter" bemüht: An Haltung, nicht am Kulturkreis, ist Charakter erkennbar!

Bodo Arndt, Gühlitz

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