Online: 29.03.2016 - ePaper: 30.03.2016

Mündiger Bürger will Vielfalt

Betrifft: Leserbrief "Grenzt an Verharmlosen und Täuschung" von Klaus Peter Dehde (EJZ vom 19. März)

Ich vermisse in dem Leserbrief die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. In einer Demokratie muss trotz aller leidenschaftlichen eigenen Überzeugungen jeder mündige Bürger Andersdenkenden und handelnden Personen, solange sie auf dem Boden unseres Grundgesetzes bleiben, ihren eigenen Stil und die Handhabung, wie sie ihren Beruf oder Leben ausrichten, zugestehen. Sara Wagenknecht bestätigte vor Kurzem noch bei "Drei nach Neun", dass sie froh sei über das Verbleichen der sturen DDR-Regierung, wo man den Einheitsbrei einer vorgegebenen Regierungsgesinnung zu ertragen hatte, angepasst leben musste und nicht, ohne Repressalien befürchten zu müssen, eine andere Meinung öffentlich vertreten konnte. Dass manchem Leser der eine oder der andere Kommentar in der EJZ nicht gefällt, ist legitim. Aber die Frage sei erlaubt: Machen nicht gerade eine unterschiedliche Berichtserstattung und die unterschiedlichen Kommentare unsere Heimatzeitung informativ und lesenswert? Wie ein Journalist seine Berichte schreibt, sollte man ihm überlassen. Der mündige Bürger in unserem Land möchte Vielfalt, die verschiedenen Ansichten lesen und wird sich daraus seine eigene Meinung bilden. Wir hören jeden Tag von genügend Potentaten, die nur eines anstreben, möglichst schnell die Vielfalt einer Berichtserstattung ihres Landes auszurotten nach dem Motto, Vogel friss oder stirb, damit ihre Bürger möglichst die von ihnen vorgegebenen Erfolgsnachrichten konsumieren. Ich gestehe Herrn Dehde zu, dass dieses nie sein Ziel gewesen sein wird. Aber die Pressefreiheit ist ein Grundpfeiler jeder Demokratie, und deshalb stehe ich als Bürger für die unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Kommentare.

Elisabeth Klingelhöller,

Sallahn

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