Online: 29.03.2016 - ePaper: 30.03.2016

Die subjektive und objektive Sicherheit

Betrifft: Leserbriefe von R. Leist, Gusborn, und M. Langer, Wustrow, zur Radwegebenutzungspflicht (EJZ vom 17. März)

Obige Leserbriefe verraten noch viele Missverständnisse in Bezug auf die Straßenverkehrsordnung (StVO) und der damit möglichen Radwegebenutzungspflicht (RWB) innerhalb von Ortschaften. Dabei ist die Sache einfach: Eine RWB ist nur zulässig, wenn es die gegebenen Verhältnisse erfordern. Das heißt, wenn der Radverkehr auf den Straßen durch den motorisierten Verkehr über die Maßen und in unverantwortlicher Weise gefährdet wird. Dann wird der Gefährdete reglementiert, nicht der Gefährder.

Die StVO Novelle von 1997 wurde nun ganz pauschal fast überall in Deutschland falsch ausgelegt und der Radverkehr innerörtlich ganz allgemein auf die "Bürgersteige" verbannt. Was aber so nicht von Gesetzgeber gemeint und gewollt war. Das BVG hat 2010 nach einer Klage eines Radfahrers klargestellt, dass innerörtlich die Fahrbahnbenutzung durch Radfahrer die Regel darstellt.

Der ADFC fordert nun, dass die Benutzungspflicht überall dort aufgehoben werden muss, wo es die Verhältnisse zulassen und/oder gebieten. Wird nämlich eine RWB ausgesprochen, dann müssen diese Radwege auch bestimmten baulichen Anforderungen entsprechen. Und das ist häufig nicht der Fall.

Wenn die RWB aufgehoben worden ist, heißt das aber noch lange nicht, dass kein Fahrrad mehr auf dem Gehweg fahren darf. Kinder bis acht Jahren müssen und Kinder bis zehn Jahren dürfen dort fahren. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Gehwege mit dem Zusatzschild "Radfahrer frei" für Radfahrer zu öffnen. In diesem Falle hat der Radfahrer das Benutzungsrecht. Sprich: Er hat die Wahl, ob er auf der Straße oder dem frei gegebenen Gehweg fährt.

In diesem Falle aber Achtung, liebe Radfahrer: Auf Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Ich denke, dass von dieser Möglichkeit nicht genug Gebrauch gemacht wurde, und dass somit die geäußerte Kritik sich eher an die verantwortlichen Behörden als an den ADFC richtet.

Nun noch ein paar Worte zum Thema Fahrradfahren auf der Straße und Sicherheit. Wir müssen hier differenzieren zwischen subjektiver und objektiver Sicherheit. Viele Radler fühlen sich den zum Teil schlechten Gehwegen sicherer. Was subjektiv richtig ist. Objektiv aber nicht. Leider wurde eine Institution und deren Erkenntnisse bisher nicht erwähnt. In Jahr 2012 haben die Unfallforscher der Versicherungen (UDV) festgestellt, dass objektiv das Radfahren innerörtlich auf der Straße sicherer ist.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat einen Flyer herausgebracht, der für alle Radfahrer sehr interessant ist. Zwei Zitate daraus: 1. "Radfahren ist eine gleichberechtigte Teilnahme am Straßenverkehr. Die Regel der StVO gelten für alle." 2. "Das Fahrrad gehört auf die Straße."

Horst-H. Tews, Kolborn

stellvertretender Vorsitzender des ADFC

Lüchow-Dannenberg

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