Online: 05.04.2016 - ePaper: 06.04.2016

Warum rührt man darin herum?

Betrifft: Artikel "Viele Ferienwohnungen illegal?" (EJZ vom 30. März)

Eine Ferienwohnung ist keine Wohnung, sondern ein Beherbergungsbetrieb? Na gut, wenn der Landkreis sonst keine Sorgen hat. Ich bezeichne das als Bürokratismus! Warum rührt man darin herum und richtet immensen Schaden für den Tourismus an, statt einfach "die Füße still zu halten"? Was soll das, möchte man fragen? Hat das einen praktischen Nutzen? Muss man Nachteile für die öffentliche Ordnung und Sicherheit befürchten? Nein und nochmals nein! Aber da in den Amtsstuben niemand nach der Sinnhaftigkeit der Vorschriften fragt, wird das nun auf dem Rücken der Bürger ausgetragen. Diese Vorschrift wurde jahrelang nicht beachtet, ohne dass es jemand gemerkt hat. Der einzige Schluss, den man daraus ziehen kann, ist, dass sie überflüssig ist. Es hat keine praktischen Auswirkungen, ob eine Nutzungsänderung vorgenommen wird oder nicht. Für diese Nutzungsänderung muss ein "Entwurfsverfasser" beauftragt werden. Im Volksmund auch Architekt genannt. Geht es nicht auch mit einem Anruf oder einer E-mail? Kurz mitgeteilt, dass die Wohnung eine Ferienwohnung ist, das Bauamt macht sich eine Notiz in der Akte und gut ist.

In Hitzacker mussten wir mal in mehreren Sitzungen über die Höhe eines Gartenzaunes diskutieren. Irgendjemand war der Meinung, so etwas mit Vorschriften regeln zu müssen. Die Entscheidung, dass der Zaun 20 Zentimeter höher sein durfte, hat eine vierstellige Summe gekostet, da ein "Entwurfsverfasser" die Bauvorschriften ändern musste. Irrsinn? Nein, Alltag in der Kommunalpolitik! Noch ein Beispiel: Bei der Anlieferung von Grüngut an den Sammelplätzen muss ein Schein ausgefüllt werden, auf dem die Menge des angelieferten Grüngutes vermerkt wird. Da niemand diese Menge genau angeben kann, wird grob geschätzt. Diese Anlieferungsscheine werden zu Tausenden bei der Verwaltung gesammelt. Was man damit anfangen will, weiß kein Mensch. Als Mengennachweis sind sie denkbar ungeeignet. Aber mindestens ein Sachbearbeiter ist mit Knicken, Lochen, Abheften beschäftigt.

Die Bürger dürfen jetzt mal raten, warum die Kommunen alle pleite sind. Ich bin jetzt seit fünf Jahren in der Kommunalpolitik tätig. Das Erste, was ich lernen musste, war, dass man mit logischem Denken und gesundem Menschenverstand nicht weiterkommt. Die Vorschriften müssen eingehalten werden, ob das nun sinnvoll ist oder nicht. Kosten spielen keine Rolle! Auf die Idee, die Vorschriften den Menschen anzupassen (oder sie mal flexibel auszulegen), kommt niemand. Wie viel einfacher wäre es, wenn man einsehen würde, dass manche Vorschriften sinnlos sind und eine Ferienwohnung eben doch eine Wohnung ist und der Vermieter kein "Anbieter von Beherbergungsgewerbe".

↔Christian Guhl, Hitzacker

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