Online: 11.04.2016 - ePaper: 12.04.2016

Wurde die Stadt hereingelegt?

Betrifft: Artikel "Die Affäre mit der Fähre" (EJZ vom 2. April)

Zur Autofähre ist (fast) alles gesagt. Wenn ich den Bericht lese, denke ich, dass der Verfasser die bisherige Diskussion überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hat. Wieder werden altbekannte Unrichtigkeiten und die Sichtweise der Hafen GmbH aufgewärmt. Nicht erwähnt wird, dass der Anleger auf einem fremden Grundstück steht. Wenn es ganz dumm läuft, muss die Stadt den Anleger wieder abreißen, falls keine Fähre betrieben wird. Das war auch für den Stadtrat neu. Da braut sich noch so Einiges zusammen.

Neu ist auch, dass die Hafen GmbH 80000 Euro zum Bau zugesteuert haben will. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Erstattung einer zu Unrecht erhaltenen Zahlung. Es gehört schon eine gehörige Portion Unverfrorenheit dazu, das als Zuschuss zu bezeichnen. Bleibt noch eine Frage: Wenn die Hafen GmbH meint, keine Autofähre betreiben zu müssen, warum hat sie dann einen Bauantrag für einen Autofähranleger gestellt? Nur so, aus Jux und Dollerei? Man schaue einmal (im Internet) in das Archiv der EJZ. Unter dem Stichwort "Autofähre" findet man alle entsprechenden Artikel. Am 3.5.2010 verkündete der Geschäftsführer, er werde 1,5 Mio. Euro in eine Autofähre investieren. Bei jeder Gelegenheit wurde betont, dass die Fähre "Elbe" bald durch eine Autofähre ersetzt werde. Alles nur Sprüche? Wurde die Stadt hereingelegt?

Dass sich eine Autofähre nicht lohnt, war der Hafen GmbH immer klar. Wer soll hier mit dem Auto die Elbe überqueren? Es gibt auf der anderen Seite nichts, wo man nicht auch mit dem Fahrrad hin käme. Die Autos, die täglich übersetzen, wird man an einer Hand abzählen können. Die Hafen GmbH hätte jederzeit einen Rückzieher machen können. Bevor der Anleger gebaut war. Jetzt, da er steht, muss auch sie ihren Teil erfüllen. Wenn die Hafen GmbH keine Autofähre will, dann soll sie den Hitzacker-anern das Geld für den Anleger zurückgeben! Alles andere wäre nicht nur eines deutschen Kaufmannes unwürdig, sondern erst recht eines Mitglieds des Rates.

Womit wir bei der Frage nach der politischen Verantwortung wären. Wer hatte die Mehrheit im Stadtrat, als die Verträge um den Hafen und die Fähre gemacht wurden, die uns heute vor die Füße fallen? In trauter Eintracht haben CDU und SPD dieses Chaos angerichtet. Die Mehrheit aus FDP/Grüne/INI/UWG muss jetzt die Kastanien aus dem Feuer holen und versuchen, Geld zurückzubekommen, das trotz aller Warnungen auf dem Weinberg und an der Elbe verbrannt wurde. Das Verdo wären wir auch lange los. Wenn die SPD den Verkauf nicht verhindert hätte.

Christian Guhl, Hitzacker

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