Online: 14.04.2016 - ePaper: 15.04.2016

Schweineschwemme mal anders

Betrifft: "Entlastung ohne Entwarnung" (EJZ vom 11. April)

Wildschweine richten nicht nur Schäden auf Feldern an, sondern sie verursachen auch noch Unfälle. Übrigens ebenso wie Bäume, die eben mal so plötzlich am Straßenrand stehen. "Tötet die Wildschweine", ruft der Kreisjägermeister beherzt. "Scharf bejagen" sollte man sie, die Wildsauen. Warum gibt es eigentlich so viele Wildschweine? Ach, schiet-egal, oder? Hinterfragen kommt nicht in Frage.

Schade, dass der Wolf, der ja eigentlich alle Muffel aufisst, nicht auch Geschmack an der Wildschweinborste findet. Nun ja, wegen des Wolfes wird es bald mit dem Muffeltier zu Ende gehen. Hoffentlich steigt Meister Isegrim dann auf Wildschweine um. Allerdings wäre eine Geschmacksorientierung in Richtung Rotwild oder lecker Waschbär auch nicht verkehrt. Alles "Schädlinge", die auf jeden Fall minimiert werden müssen. Die machen doch in ihrer Überpopulation nur alles kaputt. Und sag mal, gehören die eigentlich in den Wald? Wie schön, dass sich "die intensive Jagd auszahlt". Für wen eigentlich?

Ich sehe jetzt schon Feldhase und Fasan über Verhütungsmittel nachdenken, damit sie, sollte ihre Anzahl mit Abschuss der anderen, steigen, nicht ebenfalls auf die schwarze Liste der zum Abschuss freigegebenen "Schädlinge" geraten. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, das Schwein. Es langweilt mich bis zum Erbrechen, von Menschen umgeben zu sein, die ihre Verantwortung an dem, wie es ist, offensichtlich nicht in Frage stellen und sich in übelriechender Arroganz erheben, über Leben und Tod anderer Lebewesen zu entscheiden. Zum eigenen Zwecke etwa? Ein wenig mehr Respekt in Formulierungen würde schon helfen. Auch der Jäger hat als Jungtier an der Zitze seiner Mutter gesaugt, und ich denke, dass das viel zu oft, und nicht nur bei der Jägerschaft, vergessen wird: das Recht auf Leben zum einen, die Reflexion des eigenen Handelns zum anderen.

Nur der Mensch selbst hat sich auf Platz 1 des Treppchens inthronisiert. Dieser Planet wird froh sein, sollte er uns überleben, den Schädling Mensch endlich los zu sein. Und das Schöne daran: Dieser Schädling schafft sich selbst ab. Er ist sein ureigenster natürlicher Feind.

Andrea Seul,

Luckau

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