Online: 22.04.2016 - ePaper: 23.04.2016

Populistische Angstmache

Betrifft: Artikel "Vom Jäger zum Gejagten" (EJZ vom 12. April)

Klar nahm der Präsident der 50000-köpfigen Niedersächsischen Landesjägerschaft, Herbert Dammann-Tamke, das Wort "Abschuss" nicht in den Mund an jenem Nachmittag in Lüchow, als er vor hiesigen Jägern zum Thema Wolf redete. Denn zwei Tage später stimmte er im Landtag selbst gegen die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht. Abgesehen von den Hürden durch das EU-Recht sprechen sich alle Verbände, inklusive der bäuerlichen und jagdlichen, dagegen aus. Die FDP-Fraktion stand mit ihrem Antrag, den Wolf in das Jagdrecht zu nehmen, völlig allein da. Ich habe die Landtagsdebatte im Livestream verfolgt: Sie bestand aus Horrorgeschichten über den unersättlichen grauen Terroristen, der in unsere schöne Heimat einwandert: Die Mutter, die sich nicht mehr traue, ihr Kind auf dem Hof spielen zu lassen. Der Schäfer, dessen ganze Herde Gefahr laufe, "aufgefressen" zu werden. Die Bäuerin, die keine Kälber mehr halten wolle, weil die doch nur Futter für den Wolf seien. Wobei allen Geschichtenerzählern klar war, dass das Jagdrecht keine Lösung darstellt. Was sollte der Theaterdonner? Man müsse endlich über Maßnahmen reden, forderte die CDU-Fraktion, aber die Regierung verweigere sich. Antwort: Eine dicke Landtags-Drucksache, in der die geplanten und eingeleiteten Maßnahmen zum Wolfsmanagement alle drinstehen. Die sei bekannt, müsse man nur lesen. Aber um konstruktive Beiträge zum Wolfsmanagement ging es den hysterischen Abgeordneten nicht. Sie wollten demonstrieren, dass sie die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, während "die Grünen" romantische Träumer seien und ganze Regionen dem Wolf zum Fraße vorwerfen wollten. In meinen Augen ist das parteitaktisch motivierte Angstmache, die man als üblichen Populismus abtun könnte. Aber leider schwächen die Parlamentarier damit auch die Akzeptanz in der Bevölkerung für das notwendige Wolfsmanagement. Frau Bertholdes-Sandrock, die bei der Plenardebatte noch eine polemische Zwischenfrage stellte, stimmte dann ebenfalls nicht für den Antrag, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Ich vermute taktisches Kaffeetrinken während der Abstimmung, um der Zwickmühle zwischen eigener Propaganda und Vernunft zu entgehen. Denn als sie zwei Tage vorher bei uns die Möglichkeit forderte, die "Zahl der Wölfe zu begrenzen", enthielt sie sich einer konkreten Angabe, wo denn diese Grenze liegen solle. Wahrscheinlich wusste sie selbst, dass die noch lange nicht erreicht ist. Und dass bei Aufnahme in das Jagdrecht auch die Hege zu den Aufgaben der Jägerschaft gehöre - also dafür Sorge zu tragen, dass in unseren Wäldern wieder stabile Wolfspopulationen aufgebaut und erhalten werden.

↔Wolf-Rüdiger Marunde,

↔Gedelitz

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