Online: 26.04.2016 - ePaper: 27.04.2016

Absurde Vorgänge

Betrifft: Kein Kontroll-Konzept für Zwischenlager

Pünktlich zum Tschernobyl-Jahrestag häufen sich wieder absurde Vorgänge ums Atom: Zwischenlager-Betreiber GNS legt seinen einlullenden Jahres-Bericht vor. Tenor: Alles in Butter aufm Kutter. Nichts kommt raus aus dem Lager. Dabei immer schön das ausgebrachte radioaktive Baumaterial dagegen rechnen, so schafft man's unter den Grenzwert. Irgendwie kommt da der Verdacht auf, das könnte Vorsatz sein, oder? Und die Aufsichtsbehörde NMU? Schweigt, weil sie finden das richtig. Die Rostfässer: Als das erste 2014 entdeckt wurde - wohl gemerkt zufällig - wurde gemutmaßt, dass die Schwarte kracht. Zuviel Luftfeuchtigkeit im Lager oder eindringender Regen. Tja, milliardenschwere Technik eben. Der Atomausschuss der Kreises nahm das Thema auf, lud die Aufsichtsbehörde NMU ein. Kreistagsmitglieder brachten es schnell auf den Punkt: Das Überwachungskonzept für die Fässer ist Mumpitz, weil die ersten eingelagerten nie wieder gesehen werden. Lediglich ein paar einzelne Referenzfässer werden beäugt. Die stehen aber woanders und eben nicht eng an- und übereinander. Der Vorschlag aus den SOLI-Reihen, dass es ein neues Gesamtkonzept geben müsse, bei dem alle Fässer sichtbar sein müssen, beantworteten Vertreter des NMU ablehnend. Man würde ja schon gerne, aber da wären die Mitarbeiter zu nah dran an Strahlung. Unsere Forderung nach kameragestützten Kontrollen war für sie neu. Fakt ist, dass bis heute das Wenzel-Ministerium kein Kontrollkonzept vorgelegt hat und erst jetzt auf weitere Rostfässer stieß. NMU? Braucht immer einen Tritt in den A…

Dann kommt von einem der Vorsitzenden der Endlagerkommission, Müller, der Vorschlag, Gorleben für "nicht politisch durchsetzbar" zu erklären. Der lautstarke Protest aus der CDU folgt wie ein Echo. Gerade so, als habe Müller damit daran erinnern wollen, dass Gorleben eben leider doch im Topf bleiben müsse. Nur sagen sollen's die anderen. Schließlich lassen sich Wenzel und König vor dem Tor des Schwarzbaus Gorleben ablichten. Stolz verkünden sie den Rückbau … bestimmter Teile. Im Gespräch werden dem Landrat Liegenschaften angeboten unter dem Motto "nun macht mal schön". Dabei hat der Kreistag auf Initiative der Gruppe X per Beschluss vom BMU ein Nachnutzungskonzept gefordert. Nämlich einen "Ideenwettbewerb Bergwerksgelände Gorleben für ein Modellprojekt zur Stärkung des ländlichen Raumes zu starten." Themenbereiche sollten Energieeffizienz, sparsameres Verhalten und Bürgerbeteiligungen sein und ausgeschlossen Atomtechnologien, Untertagelabor und Rüstung. Wer glaubt, das Atomzeitalter liefe aus, irrt. Wer wie die EJZ glaubt, nach der Kommunalwahl sei Gorleben "out", irrt noch mehr. Mehr denn je brauchen wir dann Gruppierungen und Strukturen, die verlässlich gegen Atom arbeiten.

↔Kurt Herzog, Dannenberg

↔SOLI-Fraktionsvorsitzender im Kreistag

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