Online: 26.04.2016 - ePaper: 27.04.2016

Ein gemeinsames Spielchen

Betrifft: Zum Tod Marianne Fritzens

Menü: Ob Lüge oder Wahrheit - unbeliebt macht man sich mit beidem. Was man sagt, ist also falsch. Vorspeise: Marianne Fritzen sei "Asche", die man nicht anbete - vernahm man schon lange bevor sie diese wirklich war. Und zwar aus der Runde, die nun ihren Tod betrauert - um nicht zu sagen: Die jetzt doch die Asche anbetet. Geht's noch? Alles gegessen oder vergessen? Jedenfalls traf sich nun jene Runde, um über Marianne Fritzen zu plaudern.

Hauptgericht: Ich Plaudertasche hab' da nur der vollständigkeitshalber noch 'ne unvergessliche Mini-Episode. Meine letzte Begegnung mit Marianne Fritzen: Es war einmal vor geraumer Zeit zu Gedelitz: "Großer Ratschlag" der BI. Nachdem anfangs BI-Vorstand Martin Donat seine Infos wasserfallartig und maschinengewehrböse vergossen und verschossen hatte, fragte er: "Hab' ich was vergessen?" Ja, aber vermutlich nicht nur "was".

Da nicht befugt, "große Ratschläge" zu erteilen, aber kleine Vorschläge zwanglos sind, schlug ich ein selbsterdachtes "Spiel des Lebens" vor. Ich dacht' mir so: Nach über 35 Jahren Gorleben-Kampf ist es mal Zeit für ein gemeinsames Spielchen. Vielleicht zeigt sich dabei auch das, was womöglich nicht nur Martin Donat vergessen hat. Er stellte nun den Vorschlag mit solch unvergesslicher Laune zur Abstimmung, dem nur drei Frauen zustimmten. Da ich für die Runde leider nix weiter tun konnte, ging ich raus in die Sonne. Vorher nahm mich Kerstin Rudek, ehemals BI-Vorständige, sanft zur Seite, fragte unter vier Augen ernsthaft: "Willst Du die Runde sprengen?" "Ich? Nö, wie kommst Du darauf!?" Sie: "Wegen deines angetrunkenen Zustandes". Ich hatte ein Glas Alsterwasser in der Hand. Davon zwei- bis dreimal genippt. Schon angetrunken? Sie kam, sah und dachte. Und interpretierte. Leider 1004 Prozent falsch. Hätte hier das Spiel womöglich tatsächlich (sein) Fressen gefunden? Nachschlag: Nach 15 Minuten kam Marianne Fritzen nach. Ich: "Wat, schon zu Ende die Runde?" Sie: "Nee, aber das blöde Gequatsche muss ich mir nicht länger anhör'n. Da geh' ich lieber beten." Hab' mir das Lachen verkniffen. Nicht wegen des Betens. Ende der Fritzen-Episode. Denkpause. Dessert: Nach kurzer Zeit kam Kerstin Rudek raus. Ich: "Wat, schon zu Ende die Runde?" Sie: "Nee, aber ich will nach Hause, meine Hunde füttern." Kein Kommentar. Außer: Auch das Private ist politisch. Kaffee: Das Spiel wurde Tage später in kleiner Runde gespielt. Freiwillig und anonym. Zwölf simple Fragen. Nur ja oder nein war anzukreuzen. Die 13. Frage mit einem Satz zu beantworten. Zwischenfazit: Keiner wollte akzeptieren, was jene schon so oft mit eigenen Augen sahen. Es wurde in die Fragen hineininterpretiert und diese Interpretation beantwortet - nicht die Frage. Können aus Denkfehlern ganz andere Fehler werden? Was hat das mit Lüge, Wahrheit, Asche zu tun? Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

↔Bodo Arndt, Gühlitz

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