Online: 26.04.2016 - ePaper: 27.04.2016

Schmunzeln über Eigentore

Betrifft: EJZ-Leserbriefe von Marie Nowack, Gartow, und von Hans-Udo Maury, Gartow (EJZ vom 6. April)

Real geht es um immens viel Geld, um eine unhaltbare "Prognose", einen brav absegnenden Rat, um illegalen Baubeginn. Wie nun lässt sich das alles von Frau und Mann als "Erfolg" deklarieren? Am Beispiel der Wendland-Therme könnte das jeweils im Wechsel von einem "Leserbriefzitat" mit einem Kommentar deutlich werden.

Ladies first: "... was in den vorigen Jahren … bezahlt wurde … betrachte ich nicht als Steuerverschwen­dung": Hier kommt es also auf Frau Nowacks Betrachtung an und nicht etwa auf Recht und Gesetz. "Viele loben diese Einrichtung" - wen kümmern da schon all die lästigen Bürger, die die Zeche bezahlen sollen? "Über das Gute und Schöne in Gartow … berichten" solle die EJZ: Tri, tra, trallala, verzapfter Mist ist nicht mehr da. - "Wenn Sie Steuerverschwendung suchen, dann fahren Sie nach Hamburg, Berlin oder Düsseldorf" - aber gefälligst weit genug weg, um Gartows Possen nicht mehr zu bemerken. "Alle beneiden uns" - Himmels Willen, um was bloß? Um das tiefe Loch im Haushalt, oder um die Einfalt?

Zu Herrn Maury: "Klug gewirtschaftet" hat man, weil Steuergelder einst zinsbringend angelegt und dann investiert wurden. Real hat man sich beim "Investieren" gewaltig verhoben. "Kaufmännisch alles richtig gemacht" - nur, dass dieser "Kaufmann" gezinkt ist: Erstens gibt er bloß fremdes Geld aus, dass zweitens (zumindest derzeit) nicht einmal vorhanden ist, und drittens beweihräuchert er sich auch noch damit. "Notwendige Investitionen" à la Gartow kann man getrost als maßlos betrachten, da kein rechtes Maß eine Rolle spielt. Politik und Verwaltung können fragwürdig investieren, ohne dabei persönliche Konsequenzen fürchten zu müssen, "... steigern die Attraktivität und Kaufkraft in der Region" - ohne realistische kaufmännische Kosten-Nutzen-Rechnung sind darin nichts als hohle Sprüche zu erkennen.

Besonders verwerflich sei es, dass man "Stern-TV wach gerüttelt" habe. Ach, wie sehr Herr Maury sich türkische Zustände wünschen mag, wo Tatsachen, Geldsummen, politische Fehlleistungen unter den Teppich gekehrt werden. Für ihn scheint es unvorstellbar, dass es Menschen gibt, die sich ohne Dreck unter den Nägeln gern auch mal auf die Finger schauen lassen.

Und selbstverständlich verheißen beide Autoren "Arbeitsplätze" ohne Zahl. Kein Schönredner darf heute diese Phrase auslassen, selbstverständlich unter Vermeidung jeglicher Fakten. Und hätte man doch wenigstens irgendeine faire Kritik an der EJZ, dann könnte man sogar sachlich sein und sie benennen. Doch so bleibt einem nur simples Motzen. Damit ist es vorbereitet, auch weiterhin Tore zu schießen und über jeden Treffer zu jubeln. Das Dumme ist nur, wenn sich die Welt außerhalb Gartows über die Massen der Eigentore wundert und darüber schmunzeln kann.

↔Horst Baumhauer, Hitzacker

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