Online: 29.04.2016 - ePaper: 30.04.2016

Windkraft ein ökologischer Irrweg

Betrifft: Artikel "Weitere Windparks in Lüchow-Dannenberg" (EJZ vom 20. April)

"Die CDU fordert einen größeren Abstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern" - auf 1200 Meter zu Siedlungen, hieß es vor Kurzem. Wunderbar! Ein Silberstreif der Vernunft am Horizont. "Ziel sei es, bei den Bürgern mehr Akzeptanz für die Windkraft zu erreichen." Wieso Akzeptanz? Also keine Vernunft. Welch Enttäuschung. Ist doch diese CDU-Forderung die Bestätigung dafür, dass Windkraft auf massive Nicht-Akzeptanz stößt. Weil sich die Menschen von Politik und Wirtschaft über den Tisch gezogen fühlen. Ähnlich wie seinerzeit bei der Atomkraft.

Was die Atomkraft mit der Windkraft verbindet, ist, dass am Anfang beide den Anschein sauberer und vor allem unproblematischer Energieproduktion entstehen ließen. Allerdings kamen Warnungen vor der unweigerlichen Erderwärmung schon vor mehr als 35 Jahren auf, als man von CO2 noch gar nicht redete. Vor dem damaligen Hintergrund der unermeßlichen Energiequelle Atom entstand die Erkenntnis, dass der steigende Energieverbrauch eine globale Erwärmung zur Folge habe. Denn es gilt das Gesetz der Thermodynamik: dass aller Energieverbrauch am Ende als Wärme freigesetzt wird. Nicht also die Frage, ob die Energieproduktion fossil oder nicht-fossil vonstatten geht, ist die entscheidende, sondern der "Exzeß des Energieverbrauchs" (Hans Jonas) ist das Drama. Und der hat stetig Fahrt aufgenommen.

Wenn man weiß, dass "im 20. Jahrhundert zehnmal mehr Energie verbraucht [wurde] als während der kompletten Menschheitsgeschichte zuvor" (H. Welzer) und dass bis zum Jahr 2050 weltweit der Energieverbrauch sich noch einmal um etwa 30 Prozent gesteigert haben wird, dann muss man endlich darüber nachdenken, dass auch der Windkraftboom ein ökologischer Irrweg sein dürfte, der das, was er zu vermeiden oder zu beheben vorgibt, selbst mit hervorruft, nämlich die nicht zu stoppende Erderwärmung. Es wird immer mehr Energie konsumiert. Die Lösung des Problems ist dadurch nun selbst zum Problem geworden.

Die Lösung für diese Misere? Ach, die will doch keiner hören. Alle kennen sie insgeheim. Freilich verbirgt sich in der CDU-Forderung unbeabsichtigt vielleicht doch die List der Vernunft (Hegel), hieß es nämlich in einer Meldung: "Der Landesverband der Windenergie warnt vor verheerenden Folgen für die Windkraftbranche. Bei höheren Mindestabständen würde sich die Menge der geeigneten Flächen ungefähr halbieren." Menschenskinder: Reduktion, das ist die Lösung. Liebe Kreistagsabgeordnete, bitte folgen Sie unbedingt der CDU und handeln danach: Stimmen Sie zumindest gegen diejenigen zwei, drei neuen Vorranggebiete, unter denen die dort Wohnenden wegen der zu geringen Abstände leiden würden. Auf dass ihr Votum mit der legitimen Zustimmung der Betroffenen rechnen kann.

↔Dr. Thomas Krauß,

↔Schnackenburg

^ Seitenanfang