Online: 02.05.2016 - ePaper: 03.05.2016

Die Not der Milchbauern

Betrifft: "Optimismus im Kuhstall" (EJZ vom 16. April)

"Wenn du einmal groß bist, wirst du viel Geld verdienen. Denn harte Arbeit zahlt sich aus", so sprachen einst die Bauernväter von Northeim über die Elm bis nach Lüchow-Dannenberg. Besonders in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg schienen sich diese optimistischen Worte zu bestätigen. Die Landwirte waren wichtige Grundversorger, ihre Finanzkraft war beachtlich. Heute ist nicht mehr viel vom alten Glanz geblieben. Das realisieren vor allem die Milchbauern tagtäglich. Viele stehen am Rande des Bankrotts.

Grund dafür sind die gefallenen Milchpreise. Seit Ende 2013 fiel die Vergütung für Molkereiprodukte von 41 auf 28 Cent pro Liter Milch. Ein herber Schlag ins Kontor. Die EU-weite Freigabe der Milchquote im April 2015 verschärfte die Situation für die milchproduzierenden Landwirte noch zusätzlich. Ein Mammutmarkt war entstanden, der im gesamten EU-Europa die Milchbäche nur so überquellen ließ. Das Überangebot drückte die Preise weiter nach unten. Dringend benötigte Hilfen erhielten die deutschen Bauern weder von der EU noch von der Bundesregierung. Bauernverbände, die eigentlich für die deutschen Landwirte durchs Feuer gehen sollten, agierten weitgehend kraftlos. Parteibuchpatronage und Günstlingswirtschaft wird ihnen auf den Höfen vorgeworfen.

Schwache Verbände und Überangebote waren jedoch nicht die einzigen Geißeln, die den Milchbauern zusetzten. Viele Milchprodukte wurden traditionell in die Russische Föderation exportiert. Mit dem Beginn der Sanktionen gegen die Putin-Regierung brach auch der Handel mit Molkereiprodukten gen Osten zusammen. Weitere wirtschaftliche Einbußen waren die Folge. Es zeigte sich, dass Merkels Hass auf Putin größer war als die Liebe zu den eigenen Bauern.

Die Lösung von großen Problemen bedarf tatkräftiger Anstrengungen. Um die Lage der Milchbauern spürbar zu verbessern, müssen sofort angemessene Finanzhilfen bereitgestellt werden. Ausreichende Mittel, die auch bei den betroffenen Landwirten ankommen, und kein Tropfen auf den heißen Stein. Auch ein Ende der Handelssanktionen gegen die Russische Föderation muss sofort erfolgen, damit die Abnehmer deutscher Milchprodukte wieder Gewehr bei Fuß stehen.

Langfristig kann nur ein austariertes Verhältnis von Angebot und Nachfrage, gepaart mit einer Zahlungsbereitschaft der Endverbraucher die Probleme der Milchbauern wirklich lösen. Der einheitliche, EU-weite Riesenmarkt mit seinen überdimensionalen Produktionszahlen kann nicht weiter Bestand haben. Bis die Ziele erreicht sind, sollten die deutschen Landwirte das gesamte Land mit massiven und ausdrucksstarken Protesten überziehen.

Lars Fintelmann, Siemen

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