Online: 02.05.2016 - ePaper: 03.05.2016

QR-Code statt Infotafel

Betrifft: "Anstoß an einem Stein" (EJZ vom 19. April)

Die eigene Geschichte ins Gebüsch zu kippen, aus Angst, dass die Botschaft des Zeitzeugen heute nicht richtig verdaut wird, halte ich für ähnlich schlau wie Fragmente aus dem Koran zu rupfen, um zu belegen, dass sich mit Einwanderern dieses kulturellen Hintergrunds der Untergang des Abendlandes anbahnt. Es hilft nichts - wir müssen täglich in uns und um uns den Frieden und das Leben, das wir uns wünschen, neu erarbeiten. Und dabei hilft es auf jeden Fall, unsere Geschichte zu kennen und einordnen zu können. Außerdem ist es spannend zu erfahren, was früher los war und für welche Anliegen man damals gekämpft hat. Wir sind das Ergebnis all dieser Bemühungen und Kämpfe um irgendwelche Werte und Pfründe. Dass wir manches heute anders bewerten, ist ein interessanter Aspekt unserer Entwicklung, den man sich näher anschauen kann.

Dafür brauchen wir Information. Eine Infotafel mit bürokratischem Charme, der man eher entnehmen kann, wie schwer sich die Zeitgenossen mit ihrem Erbe tun, wäre allerdings wenig dafür geeignet. Dazu unschön und vom Kosten-Nutzen-Aspekt wohl rausgeworfenes Geld. Wie wär's denn, das Ganze zeitgemäßer anzugehen? Ein kleines quadratisches Plättchen aus Messing mit einem QR-Code, direkt auf dem Stein angebracht, führt zu einem informativen Filmchen, das einen in die damalige Zeit eintauchen lässt und das Stück Heimatgeschichte anschaulich macht. Das spüren lässt, wie die Menschen lebten und was sie bewegte, das zu tun, was uns heute mitunter Bauchschmerzen bereitet. Und welche Spuren dieses Handeln bis heute hinterlassen hat. Wer einen solchen Film machen könnte? Wie wär's mit einer Projekt-AG von Schülern? Was über die Geschichte des eigenen Kreises lernen und das Ergebnis öffentlich zu machen, wäre das nicht eine reizvolle Aufgabe? Da es hier so viele weitere umstrittene Stätten gibt, bietet sich gleich Material für allerlei weitere Projektgruppen. Ich freue mich schon auf eine unterhaltsame und lehrreiche Schnitzeljagd zu den wunden Punkten der Regionalgeschichte.

Simone Walter, Prießeck

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