Online: 02.05.2016 - ePaper: 03.05.2016

Der Mühe nicht wert?

Betrifft: Leserbrief "Gut behandelt" (EJZ vom 15. April)

So macht eben jeder seine eigenen Erfahrungen. Anfang Februar an einem Sonntagnachmittag brachten wir meine Mutter (86 Jahre und bis dahin ziemlich fit) in die EJK nach Dannenberg. Nach stundenlanger Warterei, es wurde Blut abgenommen und die Hüfte geröngt, wurde sie von einer, wohl kompetenten, aber völlig emotionslosen Ärztin (das ist vorsichtig ausgedrückt) stationär aufgenommen.

Als ich sie am nächsten Tag gegen 14.30 Uhr besuchte, saß sie am Tisch und schlief. Das Tablett mit dem Mittagessen noch vor sich. Es kann also ab Mittag keiner mehr im Zimmer gewesen sein. Doch das nur nebenbei.

Sie wurde gegen Bluthochdruck behandelt, und es wurde ein CT gemacht. Obwohl es ihr von Tag zu Tag schlechter ging, die Sprache immer schwammiger, die Mobilität immer weniger wurde, wurde sie am Donnerstag entlassen. Am Freitag brachten wir sie wieder hin, weil es ihr schlechter als zuvor ging. Wir wollten sie woanders hinbringen, aber sie bestand auf die EJK. Nachdem meine Tochter sich eingemischt hatte, wurde am Montag ein MRT gemacht. Dabei wurden mehrere Schlaganfälle festgestellt, woraufhin sie gleich nach Uelzen kam. Dort hat man auch alles menschenmögliche für sie getan. Trotzdem ist sie jetzt ein schwerer Pflegefall. Kann nicht schlucken, nicht sprechen und nicht laufen.

Ich habe keine Ahnung, ob diese schweren Folgeschäden zu vermeiden gewesen wären. Aber es drängt sich der Verdacht auf, dass alte Menschen der Mühe nicht mehr wert sind. Oder ist sie ein Opfer der bekannten Sparmaßnahmen geworden? Oder beides?

Regina Apel, Tarmitz

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