Online: 06.05.2016 - ePaper: 07.05.2016

Kein Optimismus im Kuhstall

Betrifft: Artikel "Optimismus im Kuhstall" (EJZ vom 16. April)

Statt Optimismus ist Realismus angebracht, die Kosten sind nicht 30 Cent/kg, sondern 40 Cent Vollkostenpreis mit Lohnansatz. Niemand kann ohne Lohn arbeiten, es braucht Geld für betriebliche, private Ausgaben und die Altersvorsorge. Preise unter 30 Cent seit einem Jahr, sogar schon 21 Cent und möglicherweise unter 20 Cent bedeuten pro Kuh Verluste von 1000 Euro im Jahr. Bei 100 Kühen sind das 100000 Euro. Wie hoch muss ein Kredit bei 200 oder 300 Kühen sein, um handlungsfähig zu bleiben? Das belastet noch die nächste Generation oder bedeutet den Verlust des Hofes? Kommt es wie bei den Schweinebauern in Vechta oder im Osten, wo die neuen Ställe und viele tausend Hektar nicht den Bauern, sondern dem außerlandwirtschaftlichen Kapital (z.B. Fielmann, Dr.Oetker) gehören? Ist der Strukturwandel politisch gewollt bei billiger Nahrung, damit die Agrarindustrie an globalen Märkten Geld verdient und Märkte in Entwicklungsländern unterdrückt?

Die Rabobank hat ein Gutachten über Gewinnraten am Produkt Milch erstellt (Milchpreis über 30 Cent/ kg). Das sagt aus etwa 25 Prozent Gewinnrate für den Lebensmittelhandel, etwa 15 bis 17 Prozent für Molkereien und nur 0,5 Prozent für Milchbauern. Da wird deutlich, was das Bundeskartellamt bestätigt, dass Bauern nicht am Markt teilnehmen, sondern nur Restgeldempfänger sind. Gewinne für Molkereien bei billigen Rohstoffen, gnadenloser Preisdruck des Handels bei Überproduktion an Milch. Volkswirtschaftlich ein Milliardenschaden, Geld fehlt auf Höfen und im ländlichen Raum.

Das sind Rahmenbedingungen, zu denen kein Bauer bestehen kann und für die die Politik verantwortlich ist. Die Politik ignorierte die Krise zu lange, lagert Überproduktionen mit Steuergeldern ein. Diese Mengen belasten später wieder den Markt und verlängern damit die Krise. Der Bund der Milchviehhalter (BDM) hat mit Demos bei vielen Agrarministertreffen auf die Situation hingewiesen und Änderungen am Markt verlangt. Angebot und Nachfrage regeln den Markt, die Milchmenge muss gesetzlich runter, sonst ist es für viele Bauern zu spät.

Bis Ende 2016 sind die Aussichten schlecht, die Produktion steigt weiter, Preiseinbruch bei Schlacht- und Zuchtvieh, schlechte Konditionen bei neuen Lieferverträgen, billige Milchpreise (Spottmarkt 13 Cent/kg) und immer größere Monopolstellungen bei Handel und Molkereien lassen immer weniger Wettbewerb zu. Für Optimismus besteht nach meiner Meinung nicht der geringste Grund. Es ist die dritte, schwerste und längste Krise seit fünf Jahren, die immer nur von den Milchbauern ausgebadet wird. Die seelische Notlage der Milchbauern ist dabei noch gar nicht angesprochen.

↔Gisela Webs, Quickborn,

↔Milchbäuerin

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