Online: 06.05.2016 - ePaper: 07.05.2016

Theodor Körners Widerstandgegen Napoleon

Betrifft: Arikel "Anstoß an einem Stein" (EJZ vom 19. April)

Die Herren Kurt Herzog und Günter Voß haben offensichtlich keinen Geschichtsunterricht gehabt, oder aber geschwänzt bzw. verschlafen. Sonst wüssten sie, wogegen Theodor Körner schrieb und kämpfte. Dass sie in der Schule nicht darüber unterrichtet wurden, ist durchaus wahrscheinlich, denn als ich 1958 aus Schlesien hierher kam (aus meiner DDR-Schulzeit waren mir Körner, Prochaska und Göhrdeschlachten selbstverständlich bekannt), stutzte ich beim Namen Prochaska-Platz. Aber von über 20 hiesigen Berufsschülern konnte mir keiner Auskunft geben, ob Eleonore Prochaska und Dannenberg in irgendeiner Beziehung zueinander standen oder die Namensgebung rein zufällig wäre. Bei meinen Mitschülern war ich wohl an der falschen Adresse, denn wo der St. Annen-Friedhof war, wussten sie auch nicht. Deshalb frage ich mich, ob Heimatkunde hier nicht unterrichtet wurde, oder ob bei der Verdrängung der Nazivergangenheit gleich die letzten Jahrhunderte mit eingeschlossen wurden.

Wenn ich daran denke, dass Theodor Körner nicht einmal 22 Jahre alt wurde und dass Kurt Herzog meint, dass dessen Leben und Wirken "fragwürdig und kriegstreibend" sei, dann wüsste ich gern, was er zu Freisprüchen und Bewährungsstrafen für weitaus ältere Mörder und Gewaltverbrecher nach dem Jugendstrafrecht sagt. Im Bericht heißt es weiter, "Man schämt sich in Dannenberg seiner Körner-Vergangenheit, hat es den Anschein". Schämen muss sich Dannenberg für seinen Ex-Bürgermeister Voß, der - nebenbei bemerkt - während seiner Amtszeit nicht mal in der Lage war, die Straßenbeleuchtung am hellichten Tage abschalten zu lassen.

Ich möchte einen Bogen schlagen von Stauffenberg zu Körner. Heute sind wir dankbar, dass es auch Widerstand gegen Hitler gab, und das muss meines Erachtens auch denjenigen gegenüber gelten, die damals gegen den Kriegsverbrecher Napoleon kämpften und ihr Leben ließen. Bei Voß und besonders Herzog klingt es beinahe so, als müsse man sich in Frankreich dafür entschuldigen, dass es Widerstand gegen Napoleon gab. Niemand hindert beide daran, nach Paris zu reisen, um sich dort einzuschleimen. Vielleicht gewinnen sie Frau Merkel zur Begleitung, die darin Übung hat, wie seinerzeit beim Kriegstreiber Bush und gegenwärtig bei Erdogan. In Sachen Selbstverleugnung haben wir es weit gebracht. Denn wenn jemand das Wort Vaterland ausspricht, ist er für viele bereits ein Nazi.

↔Willi Grande, Prisser

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