Online: 18.05.2016 - ePaper: 19.05.2016

Essen mit Lust und Laune

Betrifft: Artikel "Schulmensa hat´s schwer" (EJZ vom 23. April)

20 Mittagessen pro Tag für eine Schulmensa ist nicht nur tragisch, sondern traurig. Wie jeder Gastronom muss auch ein Mensabetreiber - angefangen von der Versicherung über Beleuchtung, Heizung, Wareneinkauf, Personal, Getränken bis hin zu den Speisen - alles vorrätig halten ohne eine Garantie auf den zahlungswilligen Gast. Das ist sein täglich Brot und sogenanntes unternehmerisches Risiko zu jeder Jahreszeit. Wendlands Gastronomen können davon ein Lied singen. Nur, ist eine Schulmensa nicht mehr als ein funktionaler Ort einer staatlich verordneten, möglichen Nahrungsaufnahme zwischen den Unterrichtsstunden?

Die Probleme der Mensa für die OBS und BBS sind ja kein spezifisches Problem der Mensa in Lüchow-Dannenberg. Bundesweit wird um die bestmögliche Lösung divergierender Interessen zugunsten der SchülerInnen gerungen. Kein Geringerer als Johann Lafer hat mit seiner "food education" ein Pilotprojet am RÖKA, Gymnasium Römerkastell, zu diesem Thema auf den Weg gebracht und wurde vom Deutschen Netzwerk Schulverpflegung (DNSV) für sein Engagement ausgezeichnet. Mit seinem Modellprojekt "food@ucation" "soll beispielhaft erprobt werden, ob und wie sich Ernährungssituation und -verhalten der Schulkinder durch ein entsprechendes Verpflegungsangebot in Verbindung mit Ernährungsbildung verbessern lässt", sagt Lafer. Schon bei der Einrichtung der Mensa waren die Schüler eingebunden, um ihren Speiseraum mit zu gestalten.

Esskultur und Ernährungswissenschaft sind keine Gegensätze. Deshalb gibt es an der Schule RÖKA eine Ökotrophologin als Schnittmengenmanagerin. Sie berät nicht nur Eltern, Schüler und die Schule, sondern unterrichtet und sensibilisiert auch zu allen Fragen der modernen Ernährung inklusive Allergien und anderer Unverträglichkeiten. Im Mensabeirat sitzen Schüler unterschiedlicher Jahrgänge, Lehrer, Eltern, Ökotrophologin und Mensaleitung an einem Tisch, um über Themen wie beispielsweise neue Speisen, Länderthemen, regionale Zutaten, Schulkochen, Marketing gemeinsam zu sprechen. Die Schulung eines Ernährungsbewusstseins, das Erlangen von Wissen über (regionale) Lebensmittel, die diesen Namen noch verdienen oder nicht, beginnt spätestens in der Schule wenn nicht zu Hause. Und warum sollen Schüler nicht gemeinsam mit der Mensaleitung und dem Koch einen leckeren asiatischen Pausensnack ohne Glutamat kreieren können?

P. S. Das Altona-Museum hat unter dem Ausstellungstitel "Wer bist du? Was isst du?" eine Ausstellung kuratiert, die nicht nur für Kinder sehenswert ist.

↔Dr. Bernd Pastuschka,

↔Sprechzimmer Dannenberg

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