Online: 18.05.2016 - ePaper: 19.05.2016

Grüne mit braunem Anstrich

Betrifft: Artikel "Das Dekolletee der Loren" (EJZ vom 23. April)

Beim Lesen des Artikels über "Das Dekolletee der Loren" verschlug es mir als Bildender Künstler wieder einmal gewaltig die Sprache. Übelste Bilder aus der NS-Zeit stiegen in mir hoch. Entartete Kunst. Bücherverbrennung. Alles brutalste Attribute der NS-Zeit. Also zurück zur NS-Steinzeit. Erneute entartete Kunst? Oder? Nein, das geht nicht. Selbst in der sogenannten Steinzeit gab es künstlerische Darstellungen, welche nicht gewaltsam aus der Wahrnehmung des Menschen entfernt wurden.

Kunst ist schon immer ein Begleiter der Menschheit gewesen, was den Mensch aufgrund seiner intellektuellen und kreativen, künstlerischen, musischen Fähigkeiten weit vom Tier unterscheidet. Damit sich dieser Wahnsinn der Zeit der Nationalsozialisten nicht wiederholen kann, wurde die Kunst durch das Grundgesetz GG Art. 5 Abs.3 geschützt. Das Bundesverfassungsgericht hat den Begriff "Kunst" wie folgt definiert: Kunst ist die freie schöpferische Gestaltung, in der Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse des Künstlers durch das Medium einer bestimmten Formensprache zur unmittelbaren Anschauung gebracht werden.

Weiter heißt es: Die Möglichkeit einer Berufung auf die Künstlereigenschaft laut GG kann deshalb wichtig sein, weil mit Art. 5 Abs. 3 die Freiheit der Kunst auch insbesondere für den Werkbereich und für den Wirkbereich von Künstlern bis hin zu Werbung für seine Kunst garantiert wird. Ähnlich verhält es sich bezüglich der Arbeit und der Kunstkommunikation im Freien beziehungsweise in der Öffentlichkeit.

Das Bild des Dannenberger Künstlers Giorgio Birgini, also seine Kunst, hat das Stadtratsmitglied Maren Ramm (Grüne) empört. Sie meint: Weil es möglicherweise das sittliche Empfinden der Betrachter stören könnte. Deshalb lässt sie prüfen, ob man gegen das Bild nicht vorgehen könnte. Da taucht sie auf, die faschistoide Bereitschaft, die Freiheit der Kunst zu beschneiden. Ihr einen Maulkorb zu verpassen. Etwas, was die Bundeskanzlerin, Frau Merkel, leider schon unüberlegt angestoßen hat.

Dass sich die Grünen einen braunen Anstrich freiwillig verpassen, ist äußerst peinlich und erschreckend. Wenn die Sichtweise dieser grünen Politikerin Schule macht, dann ist es nur eine Frage der Zeit, in der diese Denkweise die Grundlage legen wird, in der wir die gesamte Kunst verbannen. Denn die Kunstgeschichte ist voll von Aktbildern in allen künstlerischen Variationen. Wann wird auch sie als entartet gebrandmarkt, da sie ebenfalls als sexistisch und frauenfeindlich erklärt wird? So dumpf zu argumentieren, legt die unerträgliche Basis für eine erneute Beschneidung der Freiheit der Kunst.

Wehret den Anfängen.

↔Erwin Große,↔Lübbow

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