Online: 18.05.2016 - ePaper: 19.05.2016

Schere von Reich und Arm

Betrifft: Artikel "Wenigen gehört fast alles" (EJZ vom 30. April)

Da spricht der freie Journalist Jens Berger vor der Evangelischen Kirchgemeinde in Lüchow über das finanzielle Ungleichgewicht zwischen den Reichen und den Armen. Seine Analyse der Finanzsituation ist richtig und erstaunlich einfach: "Wenigen gehört alles und Vielen nichts." Seine einfache Empfehlung: Höhere Spitzensteuern, höhere Kapitalertragssteuern, höhere Vermögensabgaben und eine Besteuerung der Auslandsvermögen. Der Ruf nach dem gerechten Staat, nach dem sozialistischen Staat, wird da laut: "Nehmt es den Reichen und gebt es den Armen."

Aber der nationale Sozialismus vor 71 Jahren hat die Welt ins Unglück gestürzt und der rote Ostsozialismus ist auch jämmerlich pleitegegangen. Mehr Sozialismus in Form von Staatseingriffen ist also nicht die Lösung. Was wir brauchen ist eine funktionsfähige Marktwirtschaft.

Herr Berger hat in seinem Vortrag nichts über die planwirtschaftlichen Eingriffe der Geldpolitik der EZB gesagt. Aber genau hier liegt der Schlüssel zur Erkenntnis. Der Euro ist eine staatenlose, beliebig vermehrbare Einheitswährung. Eine Zentralbank druckt kein Geld. Eine Zentralbank kann unlimitiert neue Schuldverhältnisse in Form von ungedeckten Krediten aus dem Nichts produzieren (Inflation). Dieses ungedeckte Kreditgeld führt zu niedrigen Zinssätzen und verführt die Menschen zum Schuldenmachen. "Billiges Geld" wird so nachfragewirksam und die EZB dreht damit das Naturgesetz von "Angebot und Nachfrage" um. Es entsteht eine Schuldenökonomie mit ihrem Epizentrum im Bankensektor. Als Folge explodieren Vermögenswerte in Aktien und Immobilien und die allgemeinen Preise steigen (Teuerung).

Wenn die EZB jeden Monat 80 000 Millionen neue ungedeckte Kreditmilliarden an Staaten, Banken und Unternehmen zu Null Prozent Zinsen "verschenkt", dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Reichen immer reicher und die Armen (Schuldner) immer ärmer werden. So entstehen durch die Geldpolitik der Zentralbanken in unserer Gesellschaft Gewinner und Verlierer, wird der Wohlstand von unten nach oben "verteilt". So entsteht die Schere von Reich und Arm: Die Wenigen, die alles und die Vielen, die nur noch Schulden haben. Das ist weniger als Nichts.

Wollen wir dieses unendliche Wirtschafts(-schulden-)wachstum durch ungedecktes Kreditgeld stoppen, dann müssen wir uns über eine werthaltige Währung als Grundlage unserer Marktwirtschaft Gedanken machen. Nur so lässt sich die Vernichtung unserer Ersparnisse durch Kaufkraftverluste und die Umverteilung unseres Wohlstandes von unten nach oben und der damit verbundene Rechtsbruch durch Zentralbanken beenden.

↔Dieter Busse,

↔Kirchgellersen,

↔Hayek-Gesprächskreis für Wirtschaft und Finanzen/Lüneburg

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