Online: 23.05.2016 - ePaper: 24.05.2016

Hinter die Fassade schauen

Betrifft: "Ärgernis mit Potenzial?" (EJZ vom 7. Mai)

In dem Artikel "Ärgernis mit Potenzial?" wird über eine Initiative des CDU-Ortsverbandes Elbufer-Neu Darchau-Hitzacker-Göhrde berichtet. Die Ruine des ehemaligen Hotels "Zur Göhrde" sei ein "Schandfleck", und am liebsten wäre es der CDU, "wenn hier schnell nur noch grüne Wiese wäre". Und: "Verheerend sei die Situation, gerade zur Kulturellen Landpartie. Wenn zigtausend Besucher in den Landkreis kommen, sei ein solcher Anblick schädlich für uns als Gemeinde und den Landkreis."

Was ist mit dem Schaden gemeint? Glaubt man, dass die Besucher beim Anblick der Ruine wieder umkehren? Gerade die Kulturelle Landpartie trägt den Untertitel "Wunde(r)punkte". Denn neben dem Staunen über Schönheit von Landschaft, Dörfer, Höfe und künstlerische Produkte zeigt sie auch immer auf wunde Punkte (wie die Atomanlagen in Gorleben). Ein solcher wunder Punkt ist auch das ehemalige Hotel. Vor Jahren geschlossen, verlassen, verfallen, zum Schluss einem Brandstifter zum Opfer gefallen, zeigt die Ruine schonungslos, was sie ist: eine Ruine eben! Der Dachstuhl eingefallen, die Fenster ausgebrannt, angekokelte Türen und Hölzer bilden eine Art Schutzwall. Das Innere wird nach außen gekehrt. Keine schöne Fassade verdeckt den schauderhaften Anblick, sondern gnadenlos offen wird die Zerstörung präsentiert. Skurril sicherlich, aber ein Schandfleck?

Ein paar Häuser weiter steht der viel größere Immobilienskandal der Göhrde. Von außen wirkt das Schloss etwas verstaubt, aber intakt. Als wenn der Schlossherr für längere Zeit ausgeritten ist. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus. Das Schloss Göhrde wurde vor Jahren für einen Appel und ein Ei an eine Privatperson verkauft. Das gewerkschaftlich orientierte Bildungszentrum wurde als Pächter rausgeklagt, weil Eigenbedarf geltend gemacht wurde, der bis heute nicht eingelöst wurde. Verantwortlich für den Verkauf und dieses Desaster ist die damalige Landesregierung unter Leitung von CDU-Mitglied Wulf.

Das Schloss Göhrde war immer ein Glanzpunkt der Region mit Seminaren, Konzerten im Großen Saal und auf dem Hof, mitunter auch immer ein Anlaufpunkt der Kulturellen Landpartie. Und nun: stumm, verlassen, vergeudet. Diese Perle ist genauso mausetot wie der Hitzackeraner Hafen. Denn jetzt schon fahren sich wie in den Vorjahren Motorschiffe vor der Einfahrt auf einer Sandbank fest. Der Hafenvertrag sah eine Verlegung der fehlerhaften Hafeneinfahrt vor. Verantwortlich für die Nichtumsetzung ist CDU-Mitglied Schneeberg. Dessen Kampf gegen die Stadt wird langsam ruinös. Verträge werden nicht eingehalten, Grundstücke nicht bezahlt. Die Stadt muss klagen, um weiteren Schaden von der Stadt abzuhalten. Insofern lohnt es sich, hinter die (eigenen) Fassaden zu schauen und dort aktiv zu werden, anstatt sich an vordergründigen Äußerlichkeiten abzuarbeiten.

Erhard Fröhlich, Hitzacker

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