Online: 31.05.2016 - ePaper: 01.06.2016

Geldverdienen darf nichtzulasten Dritter erfolgen

Betrifft: "Zweiter Maststall" und "Millionen Tote durch Keime" (EJZ vom 20. Mai)

Über den geplanten Maststall in Teplingen wird ausführlich auf den Seiten 1 und 3 berichtet. Dass weltweit jährlich Millionen Menschen durch antibiotikaresistente Keime ums Leben kommen, erfahren wir auf der letzten Seite aus einer Kurznotiz. Gleichwohl müssen diese Meldungen im Zusammenhang gelesen werden. Denn: Es ist unstrittig, dass in den Mastställen der größte Teil der produzierten Antibiotika eingesetzt wird und dementsprechend dort die meisten multiresistenten Keime auftreten.

Selbst der Bundesgesundheitsminister hat diese Gefahr erkannt und fordert Gegenmaßnahmen. Lübbows Bürgermeister Holz aber meint, dass alle "Befürchtungen, die beim Bau der ersten Anlage laut wurden, sich nicht bewahrheitet haben". Auf welche Erkenntnisse stützt er sich dabei? Hat er einmal beim Bauamt nachgefragt, ob die Keimbelastung in den Mastanlagen regelmäßig ermittelt wird? Tatsächlich erfolgen solche Messungen nur "anlassbezogen", das heißt im Klartext: nie.

Hat Herr Holz Statistiken gesichtet über die Zunahme von Krankheiten und Todesfällen, die auf multiresistente Keime zurückzuführen sind? Das Robert-Koch-Institut könnte ihm da behilflich sein. Nun ist es zwar jedem Politiker und selbstverständlich auch jedem Landwirt unbenommen, nach Herzenslust drauflos zu schwadronieren. Von einem investigativen Journalismus aber erwarte ich kritische Nachfragen. Ganz konkret: In dem Bericht über den Maststall heißt es zum Beispiel, dass der Hühnerkot in der Biogasanlage "verwertet" wird. Da müsste man doch nachfragen, ob in der Anlage die Gärreste auch sterilisiert werden. Zur Information: Die Betriebs-temperatur normaler Biogasanlagen regt Bakterien nur zur Vermehrung an; eine Hitzesterilisation ist aber sehr energieaufwändig und damit unwirtschaftlich.

Wo kommen gegebenenfalls die unsterilisierten Substrate hin? Werden sie ordnungsgemäß als Sondermüll behandelt oder werden sie gegebenenfalls zur Düngung der betriebseigenen Gemüsefelder eingesetzt? Auf dem Hintergrund dieser - von der Zeitung nicht gestellten - Fragen ist die Aussage des Landwirts zu bewerten, der Bau des zweiten Maststalls sei "wirtschaftlich lukrativ". Gegen das Geldverdienen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es darf aber nicht zulasten Dritter erfolgen und schon gar nicht, wenn die Gefährdung von Leib und Leben einer unbekannten Zahl von Menschen billigend in Kauf genommen wird. Und ein Bauamt, das seinen Kontrollspielraum nicht wirklich nutzt, gerät leicht in den Verdacht, zum Handlanger kapitalkräftiger Investoren zu werden.

↔Johann E. P. Strauß,

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