Online: 14.06.2016 - ePaper: 15.06.2016

Fremdschämen

Betrifft: Artikel "Es erfolgte keine Reaktion" (EJZ vom 19. Mai)

Ein Phänomen, das man bei den "Großen" in der Politik, der Industrie und bei den Banken beobachten kann, ist der scheinbar völlige Verlust des gesunden Menschenverstands und des Gefühls für das Machbare, das von den Bürgern Gewollte. Von einigen bekannten Aufsichtsräten und Präsidenten - zum Teil im Ruhestand - wird das dann auch noch mit Chuzpe durchgesetzt.

Im Süden unseres schönen Landkreises liegt das beschauliche Schnega, in dem bis zur nächsten Kommunalwahl Wilhelm von Gottberg (CDU, dann parteilos, dann AfD) das Bürgermeisteramt innehat (die EJZ berichtete). Der preußisch korrekte Gutsherr hat in mehr als 25 Jahren im Amt für das Südkreisvolk viel geleistet. Und er hat dabei sogar auf seine Aufwandsentschädigung verzichtet. Als sein wohlgemeintes Erbe an die Bevölkerung möchte er die Menschen auch weiterhin von einem von Gottberg gut versorgt wissen. Das soll sein Sohn als schlecht bezahlter Landarzt richten. Allerdings erweist Herr von Gottberg sen. seinem Sohn damit einen Bärendienst: Die Menschen sind zu Recht ungehalten über die Ereignisse um das Dörfergemeinschaftshaus und die alte Arztpraxis, wo offenbar nach Gutsherrenart vorgegangen wurde. Der Geruch, nicht rechtschaffen an seine zukünftige Praxis gekommen zu sein, bleibt.

Durch die Veröffentlichungen in der EJZ mit dem Rücken zur Wand bringt der Bürgermeister sich und auch den Gemeinderat in ein argumentatives Zwielicht, so dass ich mich für ihn und die anderen kläglichen Figuren fremdschäme. Es gilt - wie man hier sagt: Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

↔Jörg Ehreke, Lüthenthien

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