Online: 14.06.2016 - ePaper: 15.06.2016

Verantwortung für Alkohol

Betrifft: "Schwarze Löcher nach Stadtfest" (EJZ vom 4. Juni)

Ich bin immer wieder entsetzt und sprachlos darüber, dass Menschen - insbesondere Männer -, die sich freiwillig und selbstverantwortlich durch den Konsum von Alkohol in einen Zustand versetzen, in dem sie möglicherweise Dinge beschädigen, anderen Menschen Schaden zufügen und schlimmstenfalls eine Frau vergewaltigen, immer noch und immer wieder aufgrund ihres alkoholisierten Zustands ein vermindertes Strafmaß bekommen. Wieso entscheidet der Staat an dieser Stelle, dass Menschen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln nicht übernehmen müssen? An anderer Stelle schützt nicht mal Unwissenheit vor Strafe. Beim Konsum, besonders beim übermäßigen Konsum von Alkohol - und in diesem konkreten Fall wird es wohl nicht zum ersten Mal passiert sein - kann es sich nicht mal um Unwissenheit handeln, da die Wirkung von Alkohol bekannt ist. Die Verantwortung für die Folgen muss daher im vollen Maße beim Konsumenten liegen. Was ist das eigentlich für ein widersinniges Gesetz, das alkoholisierte Menschen legitimiert, Straftaten zu begehen? Das impliziert: "Besauf dich, so viel du kannst, dann darfst du alles." Fassungslos macht mich auch, dass eine Vergewaltigung als minderschwerer Fall angesehen werden kann. Wer sich mit den Folgen einer Vergewaltigung auseinandergesetzt hat oder selbst eine erlebt hat, weiß, dass es den minderschweren Fall nicht gibt. Vergewaltigung ist Vergewaltigung und ändert das ganze Leben - lebenslänglich.

↔Alfa Goldbach, Süthen

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