Online: 14.06.2016 - ePaper: 15.06.2016

Selbstlose Geste oder schlechtes Gewissen?

Betrifft: KLP und drumherum

Einst zog Bob Dylan los und schrieb "The times they are a-changing". Genau genommen ändern sich nicht Zeiten (wie sollten sie das tun?), sondern nur Zu-, Auf-, Ab-, Vor- und Umstände. Diese ändert der Mensch, nicht die Zeit/en. Auch in Lü-Dan hat sich etwas verändert, bezüglich KLP und Finanzen? Einst zog man zur KLP 2015 im "Reisebegleiter" vom Leder und jammerte noch, dass es schwer falle, nicht auf Kosten anderer auf eigene Kosten zu kommen. Man war den Tränen nahe. Nur ein Jahr später hat dann alles Jammern ein Ende.

Rückseitig eines KLP-Programmflyers steht: "Wir sind keine Superreichen, aber immer noch reich genug." Ob mit "wir" alle oder nur der beworbene KLP-Punkt gemeint war, blieb geheim. Da aber "reich genug", sei man bereit, "etwas abgeben zu können". Nur etwas? Von wegen. Dieses "Etwas" erwies sich dann als allzu großzügige und spendable Zehn-Euro-Spende pro Veranstaltung. Etwas mehr wäre auch zu viel des/der Guten? Man "spendet" also von dem "etwas", was der harte Kern der Konsumenten wieder in die Kasse spült. Welch selbstlose Geste. Oder schlechtes Gewissen? Wer "reich genug" ist, hat's eben sehr simpel, seine aufopfernde Haltung in aufgeblähter Spendierhose, samt Spendendose, offen zur Show zu stellen und andere moralisch zu drängen, das zu kopieren: "Und jetzt seid ihr dran!"

Im KLP-Begleiter 2016 steht, dass die "bunte, quirlige Szene" einst loszog, nicht um Zeiten oder sich zu ändern, sondern um Werbung in eigener Sache zu machen: "Weniger ist mehr". In diesem Lichte leuchten die gönnerhaften zehn Euro in einem noch edelmütigerem Antlitz. Volltreffer. Wär's nicht so rührend, ich würd' mich schütteln. Doch "einst" ist verdammt lang her. Bei ehrlicher Betrachtung wird die KLP immer mehr statt weniger (ist mehr). Man sei "weit gekommen". Und zwar so weit, "dass manchen hier das Gefühl beschleicht, übers Ziel hinausgeschossen zu sein". Also eher weit abgekommen des Weges? Was dennoch "Erfolg" genannt wird, der, so gesteht man, jedoch "ein wenig ratlos" macht. Wäre "rastlos" nicht treffender?

Hatte ich nicht schon vor Jahren den Verdacht geäußert, dass die "bunte, quirlige Szene" im Grunde wie die funktionieren, von denen man sich sonst so lautstark distanziert? Ja, hatte ich. Was der einen Uferseite ihr immer "weiter, höher, schneller" ist, ist der anderen Seite ihr "größer, noch mehr, überall". Typisch deutsch eben. Jede und jeder auf seine eigene Art. Man las zudem "aus Weniger entsteht mehr, überall". Also überall auf Erden? Nicht nur die Wortwahl steht denen am anderen Ufer in nix nach. Meist in Superlativen denken, sprechen, handeln - obwohl der KLP-Katalog was von "Ruhe zum Denken und Entspannen" und "Zeit zu sich zu kommen" sinniert. Schon mal probiert? Wie hoch ist eigentlich der biologische Fußabdruck der KLP? Demnach sind wir wohl eher Teil des Problems statt dessen Lösung. Zehn Euro hin oder her. Einst zog der Musiker Frank Zappa los, um mit "We are only in it for the money" ein Stück Ehrlichkeit zu präsentieren. The times they are a-changing?

↔Bodo Arndt, Gühlitz

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