Online: 24.06.2016 - ePaper: 25.06.2016

Gier statt Verantwortung

Betrifft: Bau einer zweiten Hähnchenmastanlage bei Teplingen

"Gratis, gratis, gratis" möchte ich das nicht mehr ganz neue Phänomen nennen, das mich aktuell beschäftigt. Es fing für mich mit einem Artikel in einem Fachmagazin über eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse an, in dem ich den Lesern in diesem Rahmen eine kostenlose Wollprobe anbot. Alle Zuschriften waren fordernd und gierig: "Merken Sie mich gleich für nächstes Jahr vor", "Ich will Sitzkissen für meine Enkel machen und einen Teppich filzen", "Ich möchte zwei ganze Vliese haben", "Porto zahle ich notfalls."

Es ist wohl der politische Einfluss, der hier wie bei der geplanten zweiten Hähnchenmastanlage in Teplingen zum Ausdruck kommt. Gier statt Verantwortung. Egoismus anstelle von Mitfühlen. Das gilt auch für Behörden, denn das sind ja auch Menschen. Solche, die sich aber nicht mit der Umweltverträglichkeit solcher Betriebe auseinandersetzen. Ich laufe also mit meinen Unterschriftenlisten gegen den Bau durch Lüchow, Dannenberg und meinen Bekanntenkreis. Die Listen sind erstaunlicherweise bald voll, das freut mich. Viele wissen aber gar nichts vom geplanten Bau, doch es kommen auch Äußerungen wie: "Ich traue mich nicht zu unterschreiben", oder gar: "Finde ich voll in Ordnung, der Bauer will ja auch überleben". Was ist mit der Verantwortung, die die "Krone der Schöpfung" für seine Mitgeschöpfe hat, liebe Leute? Leben wir etwa unsere Verantwortung aus, indem wir uns nur noch über billig, gratis, Schnäppchen definieren? Stellen wir die ganze Schöpfung in Frage, indem wir unser Portemonnaie über das Leben und Leiden unserer Mitgeschöpfe stellen? Ich empfinde das als über die Maßen anmaßend.

↔Catrin Porsiel, Gusborn

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