Online: 24.06.2016 - ePaper: 25.06.2016

Falschwarnungen verantwortungslos

Betrifft: Schwimmen in der Elbe

Ein Mensch ist ertrunken. Keiner kennt die Ursache, und so benutzt man den Toten für das Gruselmärchen: Unter der Wasseroberfläche lauern die Gefahren, beinahe unmöglich, da wieder herauszukommen. Selbst für erfahrene Schwimmer ist es schwierig, diesen Strömungen zu entkommen. Man muss zum Grund runtertauchen und dann seitlich herausschwimmen - viele glauben daran; manch einer, bis er dran glauben muss.

Wer die wirklichen Gefahren in der Elbe kennt, weiß auch: Solchen Unfug kann nur verbreiten, wer weder den Fluss kennt, noch je einem Schwimmer zugeschaut hat. Und sollte er es einmal tun, wird er sich langweilen; denn nichts passiert, als dass Leute schwimmen und an Land gehen. Kein Futter für Horrorfantasien.

Niemand aber, der Angst vor Unbekanntem hat, soll zum Elbeschwimmen animiert werden. Überzeugungen sitzen tief, und Menschen unternehmen fast alles, um an ihnen festzuhalten. Für sie hoffe ich, dass sie nie in ein Naturgewässer geraten und dass niemand in Not je ihre Hilfe braucht. Die weniger Ängstlichen möchte ich beruhigen: Die Strömung hier bietet keinen Grund zur Angst. Man schwimmt mit ihr oder zum Spaß gegen sie oder einfach quer zum Strom, sobald man an Land gehen will. Und dabei kommt man ungefähr um 45 Grad versetzt an.

Mehrfach habe ich erlebt, wie sich Menschen selbst gefährden, weil sie in Angst oder Panik völlig irre Dinge tun, sicherlich auch in Folge der verantwortungslosen Falschwarnungen, die wohl schon manches Menschenleben gekostet haben. Deshalb bemühe ich mich, die Köpfe für die wirklichen Gefahren frei zu bekommen, um im Ernstfall richtig zu handeln.

Thema Strudel: Da niemand am Elbegrund einen Stöpsel zieht, gibt es auch die badewannenartigen Drehstrudel nicht, die den Schwimmer angeblich auf den Grund ziehen. Allerdings entstehen nach Hindernissen im Strom merkbare Verwirbelungen. Sie verlaufen zwar mit der Strömung, schlingern dabei aber in alle Richtungen, wodurch Unerfahrene irritiert werden. Die größte Gefahr bietet aber das flache Wasser jenseits der Buhnen. Dort weist der Sand meist eine Abwärtskante auf, in die man unvermittelt einsinkt, um dann seicht vom Ufer fortgetragen zu werden. Als Schwimmer mag man anfangs einen Schreck bekommen, wehe aber jedem Nichtschwimmer. Genau dort lassen sorglose Mütter gern ihre Kinder plantschen. Als zweitgrößte Gefahr sehe ich die Verbreitung von Angst. Gegen diese beiden Gefahren fallen alle weiteren nur wenig ins Gewicht, müssen aber unbedingt beachtet werden. Gern würde ich mehr aufklären, als es ein Leserbrief erlaubt: hauptsächlich, dass man aus der bei uns gemächlich fließenden Elbe einfach durch Schwimmen ans Ufer gelangt. Wer hätte das gedacht? Ich werde mein Heftchen "Elbeschwimmen" bald neu auflegen und dann wieder meinen Vortrag halten.

↔Horst Baumhauer, Hitzacker

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