Online: 28.06.2016 - ePaper: 29.06.2016

Ist das Amt nicht lernfähig?

Betrifft: Artikel "Die Infos kamen zu spät" (EJZ vom 15. Juni)

Der Elbe-Jeetzel-Zeitung entnehme ich, dass die Arbeiten an der B191 zwischen Karwitz und Prisser ursprünglich am 20. Juni beginnen sollten. Dann legt man anscheinend kurzfristig zwei Bauabschnitte zusammen und der genannte Streckenabschnitt wird praktisch von einem auf den anderen (Werk-)Tag voll gesperrt. Die Anlieger erfahren "rechtzeitig" zum Wochenende, dass die Straße vor ihrer Haustür ab Montag dicht ist. Zweieinhalb Tage Vorwarnzeit. Bei einem Projekt, das auch die Existenz von Gewerbetreibenden berührt, die auf ihre Erreichbarkeit durch Kunden und Lieferanten angewiesen sind. Ein Projekt, das Monate im voraus geplant wird. Oder geplant werden sollte.

Vor diesem Hintergrund halte ich es für ziemlich frech, wenn die ausführende Firma sich jetzt damit herauszureden versucht, "drei Tage vorher seien rechtzeitig, da die Anwohner bereits seit mehreren Monaten wissen, dass die Bauarbeiten irgendwann in diesem Zeitraum stattfinden." Irgendwann in diesem Zeitraum. Wie bitte? Ein bisschen mehr Planungskompetenz darf das Publikum doch wohl erwarten, oder?

Ein Spargelhof wird mitten in der Saison und praktisch ohne Vorwarnung von der Verkehrsanbindung abgeschnitten. Stammkunden bleiben weg, das Geschäft mit der Laufkundschaft fällt ganz in die Baugrube: Es gibt keinen Durchreiseverkehr mehr. Und die Verantwortlichen in den Behörden? Sind auf Kunden nicht angewiesen, brauchen keinen Betrieb zu erhalten, kriegen ihr monatliches Salär regelmäßig überwiesen. Frau Schütte von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Lüneburg), Herr Rzepa, Fachdienstleiter Straßenverkehr bei der Kreisverwaltung sind, so gesehen, fein raus.

Wenn es stimmt, dass es in "fast allen Fällen (von Vollsperrungen in Ortslagen) zu Beschwerden von Anwohnern" kommt (Rzepa), dann sollte Herr Rzepa das endlich zum Anlass nehmen, seine Kommunikation mit den von Sperrungen betroffenen Anliegern im Vorfeld zu verbessern. Oder ist das Amt nicht lernfähig? Und wenn Landesbehörde und die Straßenbaufirma Kalinowski vor Vollsperrungen von Bundesstraßen nicht einmal die Anzahl der Bauabschnitte im voraus und verlässlich festzulegen in der Lage sind, dann stimmt auch da etwas nicht.

Mindestens so bitter wie die fremdverschuldeten Einbußen beim Umsatz dürfte für die Betroffenen die Erfahrung sein, dass die Verantwortlichen auf ihren weich gepolsterten Bürostühlen die berechtigte Forderung nach mehr Planungssicherheit mehr oder weniger routiniert an sich abprallen lassen. Sie können es sich leisten: Der Schaden, den sie anrichten, ist ja nicht ihr Schaden.

↔Hermann Taubenberger,

↔Dannenberg

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